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'Bei Müllers hats gebrannt, -brannt, -brannt' - Versuch einer Analyse

Der Kinderreim, oder besser gesagt, das Schlagspiel ist eines jener merkwürdigen Rituale, die beinahe ausschließlich von Kind zu Kind tradiert werden.  Auffällig ist, dass kaum ein Erwachsener den Text noch vollständig weiß. Die ersten Zeilen sind gestochen scharf erinnerbar, die letzten verschwinden im Dämmer des Gedächtnisses. Gegen solche Verdrängung hilft Google und ein paar eifrige Psychologen oder Ethnologen, die auch solche Texte archivieren.
 
Beim Schlagspiel "Bei Müllers hats gebrannt" hatte ich große Schwierigkeiten, die unbewusste Botschaft irgend zu verorten. Das liegt zum einen an der Zahl der Versionen. Mal rennt man weg, mal hin. Die Richtung allerdings scheint relativ unwichtig zu sein. Schon 1855 geht es weiter mit dem "Polizist" und der "List". Der Inhalt verschiebt sich dann, wie Sarr zu entnehmen ist, von der Bestrafung fürs Äpfelklauen (die Kastrationsdrohung) und dem "in die Kist" stecken auf eher exhibitionistische Urszenen.
 
Meine erste These war, dass gemäß Freuds "Bruchstück einer Hysterie-Analyse" (FSA VI, z. B. 142) das Feuer im Traum Ausdruck des Urinationswunsches ist: Der Gegensatz im Traum erfordert das Löschen. Das lässt die Frage offen, warum gerade die Urination einer jener Vorgänge ist, die im Traum sehr häufig auftauchen. Dies lässt sich mit dem Bettnässen erklären, das durch nächtliches Wecken oder Strafandrohung verhindert werden soll. In Freuds Beispiel wünscht die Patientin im Feuertraum, dass der Vater sie wecken möge, um Schlimmeres zu verhindern.
 
Würde man demzufolge dem Schlagspiel den Urinationswunsch zugrunde legen, würde das möglicherweise schon Folgendes bedeuten: Das Kind versucht durch schnelles Rennen der Bestrafung durch den Polizisten zu entgehen und dann zu urinieren, wenn "es brennt" und zwar dort, wo man dazu hingehört, nämlich "zu Haus" und nicht einfach irgendwo bei Müllers. Gelingt dies, wird es als Entwicklungsleistung in der Gruppe gefeiert und beklatscht. Es handelt sich ja dann schon nicht mehr um einen Traum, in dem der Wunsch offenbar wird. Dann wäre die These sehr schwer zu halten. Vielmehr geht es ja in der Gruppe schon um eine kollektive Zensur, die viel bewusster Anpassungswünsche und Unlust bearbeitet. Ich halte es aber für wahrscheinlicher, dass dieser edukative Ansatz nicht ausreicht und eher stärkere sexuelle Motive dominieren.
 
Der Fortgang des Liedes in den unterschiedlichen Versionen lässt auf weitere Inhalte schließen, die den obigen ergänzen. Mal flieht der oder die Protagonist/in "nach Haus" zum Bruder oder zum Onkel "Klaus", klar ist, es ist wohl der Vater. Dieser liegt mit "Elisabeth" im "Bett, Bett, Bett". Nimmt man das als Ergänzung zum obigen Teil, würde dies die infantile Urszene wiederspiegeln: Das kleine Kind rennt (aus Angst vor dem "Polizist", der Bestrafung) nächtens zu Mutter und Vater, weil es urinieren muss. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass hier die Urszene stattfindet, das erste Erblicken des elterlichen Beischlafs. Nun geht es wüst weiter mit infantilen Sexualtheorien. Mal kracht nur der Busenhalter, mal "explodiert" gleich die ganze Elisabeth und ein Baby "marschiert" heraus. Diese Version endet damit, dass Elisabeth sich schämte und die Decke über sich zieht. Das herausmarschierende "Baby" kann wohl als Fäzes interpretiert werden, was die Scham der Elisabeth erklären würde, die anders als die solche Szenen verlachenden Kinder, ins Bett gemacht hat.
 
Jedoch gibt es auch Versionen, in denen genitale und ödipale Sexualität und bisweilen Homosexualität angedeutet wird, was auch die Lust der Kinder am Spiel einsichtiger macht: Mal lauert im Bett eine "Maus " (möglicherweise ebenfalls der Fäzes, aber wahrscheinlich eher ein Genital), mal gebiert die Elisabeth einen "Schlingel, der zog den Klaus am Pimmel". In vielen Versionen flüchtet man sich in einen oberen Stock und sieht dort mal einen Mann, mal  die Oma "im Unterrock". Das könnte zum einen eine Wiederholung der ersten Fluchtszene bedeuten, zum Anderen den Kastrationskomplex meinen, der mit dem Fetisch des "Unterrocks" den Anblick des ersten Genitales zu verdrängen versucht.
 
Meines Erachtens ist die eigentliche Leistung des Schlagspiels das Feiern der Autonomie und der eigenen intellektuellen Fähigkeit, solche Ereignisse kollektiv zensieren zu dürfen und dennoch offen zu wiederholen. Es könnte dann nicht die archaische Lust sein, die das Spiel populär macht, sondern die im Kompromiss sublimierte Vorlust. Das Plätschern der Klatscher wiederholt möglicherweise lautmalerisch das lustvolle Wasserlassen, kann aber ebenso mit lustvollen, masturbatorischen Komponenten behaftet sein oder Strafphantasien sublimieren. Würde man am Ende doch die Traumsituation annehmen, wäre der Wunsch dahinter recht simpel: Die peinlichen Situationen, Sinnbild der hysterischen Verdrängung, dienen dann nur dazu das lustvolle Rennen ermöglichen und den eigentlichen Trauminhalt durch sein Gegenteil zu verschleiern. Man möchte einfach lustvoll an Ort und Stelle urinieren, ohne vom Polizisten auf die Liste geschrieben zu werden, ohne die Eltern wecken zu müssen. Dieser Trauminhalt kann in der zensierten Form in der Gruppe den Wunsch beliebig oft wiederholen und so Ersatzlust verschaffen. So gesehen wäre die Lust am Spiel auch aus der Rebellion zu erklären, die darin enthalten sein könnte. Wieso dieses Spiel dann in einer bestimmten Entwicklungsphase besonders wichtig ist und warum es eher in der Latenzzeit populär ist, kann wohl nur spekulativ im Aufragen widersprüchlicher sexueller Impulse in diese gar nicht so latente Phase hinein vermutet werden.
11.7.08 11:34
 


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bisher 8 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Kaffe ohne sahne (11.7.08 22:46)
Interesant- wobei ich ja sagen muss, dass mein Blogname auch von einem alten kinderreim, he, kommt.
Ar.ne Banane, Kaffee ohne Sahne

wo ich darüber nachdenke, fällt mir doch die Verbindung der Banane, die zum Kaffe ohne Sahne führt, ziemlich deutlich auf :-)


doesn\' (19.7.08 17:21)
Mein Kommentar an einem Stück ist dem Blogdienst hier offensichtlich zu lang. Daher in Teilen:

Teil 1:

Schöne Idee, auch wenn mir deine Deutung noch nicht hinreichend erscheint. Ein paar Dinge, die mir aufgefallen sind, und vielleicht eine Präzisierung ermöglichen.


doesn\' (19.7.08 17:22)
Teil 2:

Zum einen scheint es mir nicht angebracht, alle Versionen (habe mir die auf liederlexikon.de angeschaut) gleich zu interpretieren. Die beiden ältesten scheinen mir ganz anderen Charakters zu sein, weil sie die Wiederholungen der letzten Silbe am Ende jeder Zeile nicht haben. Sie scheinen mir dem Echo nachgebildet, das beim hineinrufen in eine Höhle oder ähnliches entsteht. Sie sind so prägnant, dass sie meines Erachtens nicht ausser acht gelassen werden dürfen, zumal Kinder so etwas ohnehin mögen. Erinnert sei an den Bürgermeister von Wesel. Ich habe aber gerade keine Idee, warum das interessant ist bzw. nur eine wilde Spekulation:
Die Stimme aus dem Nichts veräußert die Erfahrung des Einspruchs des Über-Ichs, die für das Ich auch aus dem Nichts kommt, und wenn dann auch noch ein Schimpfwort entsteht (aus Wesel wird Esel) besteht die Lust daran, dass der Einspruch der Autorität der Lächerlichkeit preisgegeben
wird.


doesn\\\\\\\' (19.7.08 17:22)
Teil 3:

Auffällig ist auch, dass das Echo bei den neueren Varianten mit "Elisabeth" weg fällt, entweder auch bei den folgenden Zeilen oder nur in der einen. Dies verleiht meines Erachtens „Elisabeth“ eine besondere Bedeutung, mit ihr tritt im Ablauf des Spiels etwas neues auf. Es ist dies relativ offensichtlich die Möglichkeit des Sexualverkehrs mit einer Schwangerschaft als Ergebnis. Dabei würde ich aus Klaus nicht so eindeutig einen Vater machen. Eher vermute ich, dass tatsächlich eine männliche Person gemeint ist, deren Alter zwischen dem des Vaters und dem der Kinder liegt und dem ein aktives Sexualleben nachgesagt wird. Das kann dann je nach persönlichen Verhältnissen ein Bruder oder ein Onkel sein.


doesn\'t mind (19.7.08 17:23)
Teil 4:

Die sexuellen Anspielungen in den Zeilen ohne Echo sind zudem deutlich expliziter, teilweise ja nicht einmal mehr Anspielungen. Zusammen damit, dass ich mich zu erinnern meine, dass das Klatschsspiel je mehr es Richtung Pubertät ging ein Mädchenspiel wurde (die Jungenvariante waren Gröllieder wie „Scheiße auf dem Tellerrand ...“) schließe ich daraus, dass der unmittelbare Anlass, aus dem heraus das Spiel attraktiv wird, die beginnende Pubertät ist und kindliche Sexualität der der Erwachsenen gegenübergestellt wird. Ob die Inszenierung einer solchen Entwicklung dann mit Scham endet, mit der Angst vor dem Verlust der kindlichen Lust („aus, aus, aus“, hier kehrt das Echo zurück) oder dem machtvollen Auftreten der patriarchalen Ordnung („Bundeswehr marschierte“) ist dann wohl der individuellen psychischen Geschichte der Umdichtenden geschuldet. Wobei ich annehme, dass sich solche Details nicht aus einer einzelnen Version ableiten lassen, sondern es dazu auch die Relation zu der Fassung braucht, aus der der eigene Text entstanden ist. Ich nehme an, dass alle Kinder ihre eigene haben.


nichtidentisches / Website (19.7.08 17:32)
Die Wiederholung wollte ich ohnehin noch erwähnen: ich halte das für ein Merkmal des Wiederholungszwangs in der Neurose. Die Wiederholung bekräftigt eine Schutzbehauptung oder eine Verleugnung oder versucht durch Wiederholung zu bearbeiten.
Wenn man nun annimmt, dass der eigentliche Inhalt nicht der Brand ist, sondern das Gegenteil, der Harndrang, wäre die Verleugnung perfekt. Aber da spielt dann sehr sicher eine allgemeine Lust an Wiederholungen mit, wie sie erst für Neurosen pathologisch wird.


doesn\'t mind (19.7.08 22:19)
Ist das mit dem Wiederholzwang deiner Ansicht nach eine Alternative zu meinem Vorschlag, die Wiederholung als Echo zu deuten? Oder willst du das Lustvolle daran nur anders erklären?

Ausserdem verstehe ich es auch inhaltlich noch nicht. Was mich am Wiederholzwang gerade stört ist, dass das, was einem solchen unterliegt, üblicherweise Unlust bedeutet, peinliche Situationen entstehen lässt usw. Von einer allgemeinen Lust an Wiederholungen weiss ich nichts. Aber du willst ja vermutlich auch nicht sagen, dass sich das Wiederholen der letzten Silbe zwanghaft, also ohne Kontrolle des Ichs, ergibt, sondern darin nur eine Referenz auf einen Wiederholzwang sehen, oder?

Die Verleugnung wiederum ordne ich, und ich glaube das ist orthodoxer Freud, lasse mich da aber gerne belehren, als Abwehrmechanismus der Psychose und nicht der Neurose zu. Harndrang bzw. die damit verbundene Lust lässt sich meines Erachtens nicht verleugnen. Verleugnen lässt sich nur Äußeres bzw. dessen Wahrnehmung. Verleugnen, um die nicht ganz zu verwerfen, ließe sich möglicherweise spätes Bettnässen, aber da mir ohnehin noch nicht einsichtig ist, warum du eine Verleugnung ins Spiel bringst, will ich da jetzt nicht weiter rumspekulieren.


nichtidentisches / Website (20.7.08 12:52)
Es geht ja nicht um eine Individuum, sondern um individuell umgearbeitete Gruppenprozesse. Ich sage doch nicht, dass diese das Spiel spielende Gruppe wie ein Individuum analysiert werden kann.
Die Referenz zum Wiederholungszwang spielt sich dabei innerhalb dessen ab, was Freud über das Verhältnis von Normalität zu Pathologie sagt: Dass nämlich in gesunden Menschen die gleichen Erscheinungen auftreten wie bei Neurotikern, nur eben in anderem Ausmaß. Ein Beweis dafür wäre die mildere Form des Wiederholungszwangs in diesen Reimen, ein anderes Beispiel dafür ist Sport, bei dem ein Bewegungsablauf oder ein Spielablauf beständig wiederholt wird.

Eine Frage: Was ist denn die Folge aus dem "Echo"? Ein Lustgewinn? Dass "Kinder sowas sowieso mögen" ist mir nicht konkret genug.

Dass Verleugnung nur bei Psychotikern aufträte, kann ich so nicht nachvollziehen.

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