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Atomkraft - Phallussymbol und Staatsfetisch

Zur Diskussion um Neubau oder Beibehaltung von Atomkraftwerken ist zuallererst festzustellen, dass sie keine ist. Mitnichten geht es den Befürwortern darum, ernsthaft Argumente auszutauschen. Die der Gegner sind nämlich, wenngleich häufig simplifiziert und vorgeschützt, als objektive nicht zu schlagen:
 
Es gibt kein Endlager, Atomkraftwerke laufen nur unter immensen staatlichen Zuschüssen für die Betreiber profitabel, die sichersten Kraftwerke der Welt sind eben alles andere als Emmissionsfrei, die überflüssige CO2-Diskussion sollte schon am Endlagerungsargument scheitern und ist überdies von der Lüge geprägt, Atomkraftwerke würden "CO2-frei" laufen: Vom Abfall bis zur Endlagerung produziert die endlose Produktionskette Schadstoffe aller Art, CO2 noch als harmlosesten, jedoch in Massen. Nicht einmal der Betrieb ist gesichert: sinkende Flusspegel machen Atomkraftwerke zu Teilzeitarbeitern, die mit jedem Herunterfahren gefährlicher werden.
 
Vielmehr ist Atomkraft ein ideales Mittel, den Staat im Sinne der bürgerlichen Ideologie als unabdingbar zu präsentieren und seine Macht zu zelebrieren. Sie dient als Bindemittel von Deprivationsängsten zu schnell aufgestiegener Bauern und Kleinbürger: Diese fürchten in den Atomländern Baden-Württemberg und Bayern um das, was sie gerne als ihre eigene Leistung vorführen, was aber lediglich nur aus äußerster Rücksichtslosigkeit gegen die beiden Quellen des Wertes, Natur und Arbeitskraft, resultiert. Die Sicherheitsstandards exkludieren das Individuum systematisch zugunsten einer Kosten-Nutzen-Rechnung. Verboten ist nicht, was schadet, sondern was volkswirtschaftlich gerade nicht mehr tolerabel ist. Die ärgsten Folgen tragen ohnehin die Arbeiter in den erbärmlich gesicherten Uranminen Südafrikas, Nigers und Kongos.
 
Für die markigen Worte der ewigen Scharfmacher kann also gelten, dass sie sich in der Geschäftsräson des Parteibetriebs mit dem Phallus Atomkraft zurüsten. Der internationale Druck ist kaum maßgeblicher Grund für die Diskussion. Vielmehr lauert der Distinktionsgewinn, wo nicht eindeutig noch der Wille zur deutschen Bombe sich hervorwagt. Je mehr das Klientel sich technokratisch gibt, desto abergläubischer rechnet es mit Wahrscheinlichkeiten von Störfällen und desto neurotischer verdrängt es die dem Wunschprinzip zuwiderlaufende Frage nach der Endlagerung. Der verdummten Masse entspricht das nur zu gut. Zwar weiß jener über die Stromsummen Bescheid wie dieser über die Kernspaltung oder ein Dritter über Zerfallsprodukte. Als Gesamtes müssen sie sich jedoch an den Glauben an den Staat klammern, der schon alles, was in ihrer Rechnung nicht aufgehe, richten werde. Der Betrieb Atomkraft verspricht höchste Identifikation mit Staat und Volk, weshalb totalitäre Regimes sie von je ganz oben auf die Wunschliste setzten.
 
Der vorgebliche Wirtschaftsliberalismus schlägt eben in der Atomkraft in die Affirmation des starken Staates um, der Sicherheit von Transport und Betrieb garantieren solle. Den Kitt von Staat und Nation besorgt im Gegenzug die Symbolwirkung der Bauten. Jene verströmen noch den Odem des Gipfels des Fortschritts, wo man in Krachledernen auf Volksfesten Judaspuppen verbrennt und Heidegger für ein Vorbild hält.
 
Bessere Kulturindustrie ahnt stets etwas von diesem Betrug, und so ist in den atomaren Dystopien das Versagen des Staates rhytmisches Element, das nur zu oft von Verschwörungstheorie begleitet ist. Das allerdings ist zu billig. Es schiebt dem chaotischen Ganzen noch eine böse Rationalität unter, der so ungleich einfacher zu begegnen wäre, als dem dumpf wabernden Herbeten von argumentfreien Widersprüchen.

8.7.08 18:50
 


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bisher 36 Kommentar(e)     TrackBack-URL


NARODNAJA / Website (8.7.08 23:48)
Das nennt man auch Küchenklitschen-Psychoanalyse.


Doc Holliday (9.7.08 03:25)
Dieses Argument, CO2 würde etwa entstehen, wenn die Castor-Züge gezogen von Diesel-Lokomotiven durch die Gegend fahren, sollte man sich wirklich mal abgewöhnen. Auf diese Weise kann man bei _jeder_ Energiequelle bestreiten, daß sie CO2-neutral ist. Windkraftanlagen werden auch von LKWs an ihren Bestimmungsort gebracht.
Man könnte aber sowohl bei Windkraft als auch bei Atomkraft den Sprit für die LKWs aus dem gewonnenen Strom generieren.


George Wood (9.7.08 10:01)
Ohje,

das kommt dabei raus, wenn Psycho-Theoretiker über technische Themen schreiben.
Etwa so erfreulich wie ein Durchschnittsingenieur beim Psychologisieren.

Besonders gefällt mir der Purzelbaum im vorletzten Absats, wo es keine fünf Zeilen braucht, um vom "vorgebliche Wirtschaftsliberalismus" bis zu auf "Volksfesten verbrennenden Judaspuppen" zu kommen.

Bei der Faktenaquise ("Es gibt kein Endlager...") war da noch eine ganz andere Geschwindigkeit zu beobachten.
Vielleicht nochmal nachlesen:
http://www.atomenergie.ch/de/entsorgung-technik.html


Nichtidentisches / Website (9.7.08 11:51)
@doc holliday:
Nein, da am wenigsten. Allerdings muss Uran erstmal abgebaut und aufbereitet werden. Die Zentrifugentechnologie braucht zwar nur noch 5 % des vorher benötigten Energiebedarfs zur Urananreicherung. Aber wenn es dich wirklich interessieren würde, hättest du auch schon was zum Thema recherchiert und würdest konkreter werden.

@George Wood: Ich habe noch keinem Durchschnittsingenieur die Fähigkeit abgesprochen, sich ein solides psychologisches Wissen anzueignen. Es scheint dich schon sehr zu kränken, nicht wahr? Der Text, den du so stolz verlinkst, ist jedenfalls auch naturwissenschaftlich betrachtet Propaganda. Die Rechnungen der "Pro-Kopf-Abfälle" erinnern mich dann doch an den in den 1970ern verbreiteten Glaube, man könne mit einem Kubikmeter Atommüll für alle Atommkraftwerke der Welt und alle Zeiten auskommen.
Es ist ein Glücksfall für die Schweiz und Schweden, dass sie über tatsächlich relativ sichere Lagerungsstätten verfügen könnte. Nur, warum lehnt sich die Atomlobby dann nicht entspannt zurück und verzichtet auf so wässrige Projekte wie in Gorleben? Die bei der Pilotkoordinierung und beim ganz normgerechten Betrieb eines AKW freigesetzte Strahlung interessiert dich ebenso wenig wie die Abraumhalden beim Uranabbau - selbst wenn Endlagerung so idealistisch wie auf dem Link angepriesen möglich wäre, die gesamten Kosten-Nutzen-Rechnung machen Atomenergie zu einer für lange Zeit irrationalen Energieform. Für Leute wie dich gilt ganz nett der vierte Absatz.
Was genau sollen denn übrigens die ominösen neuen Technologien sein, wenn man es noch nicht mal schafft, einen sicheren Behälter für die Zwischenlagerung zu bauen oder ein relativ anspruchsloses Ding wie ein AKW halbwegs störfallfrei zu betreiben?


Nichtidentisches / Website (9.7.08 12:00)
Auch lustig: "Um die radioaktive Strahlung eines mit Spaltprodukten oder abgebrannten Brennstäben gefüllten Endlager-Behälters vollständig abzuschirmen, reicht bereits die Überschüttung mit einem Meter Erde."

Wohlgemerkt, eines High-End-Endlagerbehälters, in dem verglaste und abgekühlte Brennelemente lagern. In Gorleben stehen Blechkanister wie der Castor unter Naturzukühlung in einer stacheldrahtgesicherten Turnhalle.

Dass man prinzipiell technisch in der Lage sein könnte, auch für die Probleme der Atomkraft Lösungen zu finden, wenn man die bescheidenen Wirkungsgrade und die hohen Durchleitungsverluste in Kauf nehmen wollte, streite ich nicht ab. Nur war in der Vergangenheit niemand besonders produktiv oder glaubhaft in der Hinsicht.


Nichtidentisches / Website (9.7.08 12:06)
Das alles führt aber am Problem vorbei, geht es doch mitnichten um eine irgend rentable oder vielversprechende Energieform. Dafür bietet die Solarenergie zu gute Entwicklungschancen. Sondern es geht um die Identifikation mit dem Bestehenden, sofern es in der Entwicklung einer neuen Technologie einen faden Schein von Kommunismus verspricht wie weiland Stalin mit Atombomben Straßen bauen wollte. Nicht Emanzipation, sondern Entwicklung von Technologie solle das Heil der Menschheit bringen. Und es geht um Gegenidentifikation, waren doch die Atomkraftgegner immer jene Hippies, die einen auch ansonsten kräftig nervten.


Doc Holliday (11.7.08 13:48)
Also eine kurze Recherche: Urananreicherung ist energieaufwändig. In Frankreich läuft ein Block eines Atomkraftwerks für den Betrieb einer großen Anlage zur Anreicherung von Natururan(1).
Den Energieaufwand genauer zu quantifizieren, dürfte mit frei verfügbaren Daten nicht allzu schwierig sein. Man müsste bloß diese ganzen Faktoren wie kWh/UTA (Urantrennungsarbeit) usw. aufdröseln.
http://www.urananreicherung.de/#gasdiff behauptet einen Aufwand von 4% von der später aus den Brennstäben gewonnenen Leistung. Meinetwegen können es auch 25% sein.
Entscheidend ist, daß dieser Anteil deutlich unter 100% liegt, wodurch Atomenergie eine echte Energiequelle darstellt.


Doc Holliday (11.7.08 13:51)
Stichwort Wirkungsgrad: Worauf beziehst du den "Wirkungsgrad"? Anfallenden Atommüll pro Netto-Gigawattstunde erzeugten Strom? Wenn ja, was für Atommüll? Nur stark strahlenden mit langlebigen Isotopen oder auch stark strahlenden mit kurzlebigen Isotopen? Abgereichertes Uran ist natürlich auch langlebiger strahlender Müll, aber diesen Müll könnte man doch prinzipiell einfach wieder in dem Uranbergwerk verbuddeln, oder?
Dann folgt die Frage, ob man die Rechnung kg Müll/GWh mit oder ohne Wiederaufbereitung aufmacht.
Dann: Aufbereitung nur zwecks effizienter Verwertung des Natururans oder auch zur "Mülltrennung" zwecks besserer Lagerbarkeit verbleibenden Atommülls (usw.)?


Doc Holliday (11.7.08 13:52)
Fazit: Auf der Ebene der technischen Argumente ist Lage keineswegs so klar wie du oben behauptest. Die haarsträubensten Argumente finden sich meistens bei irgendwelchen Atomkraftgegnern, die unwillig sind, sich mit technischen Details auseinanderzusetzen (Teufelswerk!) und dennoch kein Argument pro Atomkraft gelten lassen wollen. Da kommen dann so Behauptungen wie die, daß Atomkraft energetisch nicht rentabel sei (Klar, sie _kann_ es nicht sein, das wäre ja ein Argument pro Atomkraft).
Solche "Argumente" funktionieren nach dem klassischen Schema von Verschwörungstheorien.

Das auf der anderen Seite von Atomkonzernen kaum Argumente gegen Atomkraft vorgebracht werden und teilweise auch gefälschte Argumente vorgebracht werden möchte ich deshalb nicht in Abrede stellen.

Davon ab: Du findest Solarenergie gut? Die Bundesregierung offenbar auch. Ich hingegen weiß nicht, ob die Subventionen für Solarzellen nicht in einer verstärkten Förderung anderer regenerativer Energiequellen besser angelegt wären. Das können meinetwegen auch diese Sonnenspiegelkonstruktionen sein. Sollen sie damit ruhig die ganze Sahara und die arabische Wüste vollstellen.

(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Eurodif


Doc Holliday (11.7.08 14:07)
PS zu dem spam-Filter von myblog:
Der spam-Filter schlägt bekanntlich ab einer gewissen (unbekannten !?) Länge eines Kommentars an. Danach scheint es nicht mehr möglich zu sein, auch kürzere Kommentare abzuschicken ( (Browserkennung + IP) blacklisted ??). Ich habe obige Kommentare jetzt aus einer virtuellen Maschine abgeschickt. Das wiederum geht.
Further research is required.

Davon abgesehen ist dieses Gesamtkonzept von myblog ist einfach Mist (Warum beschränkt man z.B. nicht die Größe des Kommentarfelds a priori ?). Ich habe auch schon Kommentare garnicht mehr abgeschickt, weil ich gerade keine Lust auf debugging und reverse engineering hatte.
Vielleicht wäre dazu eine comment-faq hilfreich?


Nichtidentisches / Website (11.7.08 16:32)
Myblog ist unfähig, das kann man festhalten.

Zu deinem Text:
"Abgereichertes Uran ist natürlich auch langlebiger strahlender Müll, aber diesen Müll könnte man doch prinzipiell einfach wieder in dem Uranbergwerk verbuddeln, oder?"

Nun, zunächst braucht man bekanntlich eine hochgiftige Lösung, um das Uran aus dem zerkleinerten Erz herauszuwaschen. Diese ist danach mit Uran, das ja nicht nur strahlt, sondern auch ein Schwermetall ist, gesättigt und wird in der Regel irgendwie verklappt. Es entstehen jedenfalls ganze Seen von hochgiftiger Lösung. Die Bilder von Abraumhalden in Kanada und den USA sind beeindruckend, wie man solche Unmassen wieder in den Boden bringen will, ist mir ein Rätsel. In der Regel werden sie offen liegen gelassen, Lösungsreste spülen weiter Uranrückstände und andere Schwermetalle aus dem ausgelaugten Erz. Wo man ein wenig Sorge walten lässt, wird der Abraumhügel einfach mit Erde abgedeckt. Bei Untertagebau wird wohl eher im Bergwerk verfrachtet.


Nichtidentisches / Website (11.7.08 16:40)
Der Grund für Atomkraftwerke war demnach zunächst nicht die Energiegewinnung, sondern Atomwaffen. Für diese lohnte sich der Aufwand.
Dennoch: Die gesamten Risiken, die von den Betreibern angesichts der gewaltigen Gewinnspannen, die ihnen durch die staatliche Intervention garantiert werden (u.a. über die "Rücklagen" oder Ausnahme von der Versicherungspflicht), lassen mir die Frage zentral erscheinen, warum man auf dem derzeitigen bescheidenen Stand der Technik an der Atomenergie festhalten will. Es wäre einfacher und wesentlich sicherer, andere Energieformen zu beforschen.
Das Ausmaß, in dem die Solarenergie derzeit gefördert wird, halte ich übrigens auch für Quatsch, wenngleich das bei weitem nicht an die Förderung für Atomkraftwerke, Landwirtschaft oder Steinkohle heranreicht. Es kann jedoch gelten: Ein Solarkraftwerk oder ein Windkraftwerk kann jederzeit abgebaut werden und ohne große Sorge betrieben werden. Forscht man noch ein wenig am Wirkungsgrad herum, hat man auch in der Solarenergie hierzulande bald positive Ergebnisse. Die alte Rede von Energiespartechnologien sei hier nur angedeutet.
Also: Warum Atomkraft, wenn doch weder Betreiber zuverlässig sind (naturgemäß, bei der Aussicht auf einige Milliarden Gewinn) noch irgendwie ein sicherer Betrieb der gesamten Brennstoffkette auf dem derzeitigen Stand der Technik denkbar ist.


Doc Holliday (11.7.08 21:02)
Ich stimme dir zu, dass die Atomtechnologie wesentlich eine Hinterlassenschaft des kalten _Krieges_ ist. Dementsprechend -Kriegsbedingungen entsprechend- sehen dann auch die in der aktuellen Technologie vergegenständlichten Kalküle bezüglich Risikomanagement und Kollateralschäden aus. Siehe etwa graphitmoderierte Reaktoren (schnell und einfach, aber knallt halt ￶öfters mal ->Tschernobyl) oder diese Horrorstories von irgendwelchen Gegenden in der UdSSR, wo die Arbeitrt sich sozusagen morgens den Weg zur Nuklearfabrik erst mal durch die strahlenden Abfälle freigraben mussten.
Im Westen war/ist man da schon fortschrittlicher bzw. menschenfreundlicher, aber die prinzipielle Analyse bleibt.


Nichtidentisches / Website (13.7.08 20:03)
Nun ja, auch im Westen, genauer den USA wurden 215 OBERIRDISCHE Atombombenversuche vorgenommen (unterirdisch 815), der Fallout rieselte größtenteils auf das eigene Land nieder.
Wie z.B. von Seiten Frankreichs im Zweifelsfall mit lästigen Insulanern umgegangen wurden, die auf Atollen im Wege standen, hat man ja im Zusammenhang mit Muroroa nochmals aufgearbeitet.
Insofern ist die prinzipielle Verrücktheit, die Vernichtung der gesamten Menschheit zu planen und in Planspielen so zu konstruieren, dass letztlich von einem Staat nur noch die Regierung in Bunkern überleben sollte, heute kaum noch zu fassen - die Hysterie der Hippies erscheint mir demgegenüber als wesentlich geringeres und vergleichsweise verständliches Übel. Es war eben auch ein Konflikt zwischen entgrenztem Staat und dem aufs Recht des Individuums bauenden Bürgertum.
Ohne Greenpeace beispielsweise würden Brennstäbe immer noch in Metallfässern auf den Meeresgrund verklappt werden.


Doc Holliday (15.7.08 12:50)
Zur Klarstellung:
1. Wenn ich schreibe, das die Atomtechnologie als Kriegstechnik konzipiert ist, meine ich damit nicht, das das so schon alles seine Richtigkeit hat, sondern es bezwecke eine Charakterisierung dieser Technologie, wie sie zur Zeit vorliegt.
2. Westen vs. Osten: Ich sage nicht mehr, als das die UdSSR technologisch rückständig und dafür umso rücksichtsloser in der Vernutzung ihres Menschenmaterials war. Als auf dem Dach des Reaktors von Tschernobyl nach dem Super-GAU die Maschinen wegen der Strahlung versagt haben, hat man eben Menschen hingeschickt.


Doc Holliday (15.7.08 12:51)
Und es gab ja nicht nur Tschernobyl, sondern u.a. auch Majak, wo zu Katastrophen in der Größenordnung von Tschernobyl noch die ganz reguläre Verseuchung von Arbeitern, Anwohnern und Umwelt kommt.
Wenn man Majak(1) etwa mit Hanford (2) in den USA vergleicht, zeigen sich schon deutliche Unterschiede.


Doc Holliday (15.7.08 12:51)
(1):
http://www.physik.uni-oldenburg.de/epol/public_html/risiko/mayak.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Karatschai-See
http://www.blacksmithinstitute.org/top10/worst35d.html#s15

(2) http://www.blacksmithinstitute.org/top10/worst35d.html#s27
http://de.wikipedia.org/wiki/Hanford_Site


Doc Holliday (15.7.08 13:39)
Zur Hysterie der Hippies:
"Never in the field of human conflict was so much owed by so many to so few." (W. Churchill)

Wahre Helden des kalten Krieges sind Soldaten wie Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow und
Wassili Alexandrowitsch Archipow (siehe etwa Wikipedia).
Insbesondere Petrow hat dabei die Autonomie des Individuums gegen den Staat _praktisch_ verteidigt und möglicherweise die Menschheit vor dem 3. Weltkrieg bewahrt.
Die Menschheit kann - sofern sie sich einer höheren Instanz verpflichtet fühlt - Gott dafür danken, daß an den entsprechenden Positionen men of practical reason und keine hysterischen Ökopaxe wie etwa Herbert Gruhl saßen. Gruhl hat übrigens schon 1970 im Bundestag gesprochen. Der Staat ist immer da, wo man ihn nicht sucht.


Doc Holliday (15.7.08 23:41)
Vielleicht ist es unhöflich, keine links zu setzen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Wassili_Alexandrowitsch_Archipow
http://de.wikipedia.org/wiki/Stanislaw_Jewgrafowitsch_Petrow

Archipow war Offizier auf einem russischen U-Boot wärend der Kuba-Krise und hat den Kommandanten überzeugt, aufzutauchen statt einen Atom-Torpedo abzufeuern, nachdem amerikanische Zerstörer Wasserbomben abgeworfen hatten.

Petrow hat einen "Angriff", den das sowjetische Frühwarnsystem angezeigt hat, nicht an seine Vorgesetzten weitergeleitet, da er die Situation als Fehlalarm eingeschätzt hat.
Er wurde dann irgendwo in die Pampa versetzt.


Doc Holliday (16.7.08 00:11)
Gruhl (Ex-CDU, dann Grüne, dann Gründer der ÖDP) ist eine Ökopax-Ikone. Negativ aufgefallen durch Eigentlichkeitsgeraune und sein Gerede von dem Gewimmel der vielen Menschen auf der Erde, die schlimmer als Parasiten wären. Der Tod müsse endlich mal dazwischen fahren und Platz schaffen. In der Jungle World wurde mal behauptet, er hätte den Einsatz von Atomwaffen gegen die Überbevölkerung im Trikont erwogen. Leider gibt es dazu keine Quelle. Vermutlich hat er auch alles schön sorgfältig in Passiv-Konstruktionen gehalten, so daß ihm keiner was nachweisen kann. Für einen Eindruck hier das Schlußwort zu einem seiner Bücher:
http://u1u1.de/G/Gruhl/1984-Gluecklich/Erde-2000.htm


Nichtidentisches / Website (16.7.08 09:13)
I know, danke aber für die Ergänzung und die vielen Links.
Ich meine, ich habe die Quelle im Original gelesen, in seinem Hauptwerk. Zitiert wird sie in Jutta Ditfurth und a.a.O.
Zur Vernutzung des Menschenmaterials in der UDSSR: War in der Tat beispiellos, nur hätte man von den "men of reason" im Westen im Ernstfall nicht allzu viel mehr erwarten können - letztlich auch nur deshalb, weil hier die "citizens of reason" eine erheblich stärkere Rolle als in der UDSSR spielten und man sich darum nicht alles erlauben konnte. Demnächst analysiere ich übrigens das PC-Spiel "Fallout I,II"


Doc Holliday (16.7.08 17:09)
Schlimm, wenn es keine Kontroverse gibt. Die "citizens of reason" wollte ich eigentlich auch noch lobend erwähnen. Die sind aber integraler Bestandteil des "Westens"!

Was ließt du denn für gruhseliges Zeug? Ich hoffe, hier war das psychoanalytische Erkenntnisinteresse ausschlaggebend!


Nichtidentisches / Website (16.7.08 17:49)
Och, in der Ethno-Bib steht so einiges rum. Die Überbevölkerungsmasche gibts auch bei Leví-Strauss, der sinniert angesichts des 2. WK über Maden, die sich durch Giftstoffe vor Überpopulation schützen und gegenseitig umbringen. Nun ja. War wohl recht verbreitet. Insgesamt bin ich unbenommen der Kritik an faschistoiden Ausrottungsphantasien etwas vorsichtiger geworden, den Begriff Überbevölkerung in Bausch und Bogen zu verdammen. Natürlich könnte die rationale und freie Assoziation der Individuen jeden Menschen glücklich machen. Im Moment haben allerdings Städte wie Lagos, die von 300 000 auf 12 Millionen angeschwollen sind, ohne über Kanalsysteme zu verfügen, ein Problem, das der Terminus technicus "Überbevölkerung" recht treffend fasst - und das Maßnahmen wie Werbung für Präservative durchaus rechtfertigt. Wo hohe Kinderzahlen nur die eigenen Ängste, Prestige und Phallus symbolisieren, sollte man dieser Ideologie den Kampf ansagen.


Nichtidentisches / Website (16.7.08 17:49)
Übrigens hatten sich Theodor und Gretel Adorno gegen Kinder entschlossen, weil sie in eine solche Welt keine Kinder setzen wollten.


Doc Holliday (16.7.08 22:26)
Also wirklich, Nichtidentisches! Ich lese zwar auch Ortega y Gasset, ohne deshalb gleich die Wiedereinführung der Aristokratie zu fordern. Aber beim Beispiel Lagos greift doch ganz klar die gute alte marxistische Malthus-Kritik:
Das Problem ist doch nicht, das es mehr als 12 Mio. Menschen in Nigeria gibt, sondern das die Menschen in Lagos keine Möglichkeit haben, ihre Scheiße wegzuspülen. Trotzdem scheint Lagos noch mehr Möglichkeiten zu bieten als das platte Land. Jeder dort -außer den Clanchefs und Mullas- wird sich wohl auch freuen, wenn die netten Europäer ihm ein paar Kondome schenken. (*)

(*) Dämlich finde ich dagegen die Kondom-Werbung in Deutschland, aber das hattest du glaube ich auch schon mal auseinandergenommen, oder?


Doc Holliday (16.7.08 22:30)
Zu Teddy und Gretel:
Ja, diese Entscheidung sei den beiden unbenommen. Ich habe mich letztlich anders entschieden, das sei mir auch unbenommen. Bei einer Geburtenrate von ca. 1/Frau in Deutschland mache ich mir keine allzu großen Sorgen, damit der Überbevölkerung des Planeten Vorschub zu leisten.

Noch eine kleine Adorno-Kritik:
Teddy hat ja gesagt, daß der einzige vernünftige Grund, ein Kind in die Welt zu setzen, die Freude am eigenen Leben ist. Gut! Nun ist es aber so, daß Freude sich gerade in Situationen einzustellen pflegt, wenn auch Kinderzeugung eine unmittelbare Option darstellt. Was machen wir denn damit?


Doc Holliday (16.7.08 22:43)
In den 40ern hätte ich wohl auch keine Kinder in die Welt setzen wollen. Auch dann nicht, wenn Aussicht bestanden hätte, daß sie im Kampf _gegen_ Hitler verblutet wären.
Insgesamt ist es seitdem aber noch erstaunlich gut gelaufen, auch wenn der Horror aus allen Ecken guckt.


Nichtidentisches / Website (17.7.08 12:32)
nunja... nochmal auf den Begriff der Überbevölkerung zu kommen: Dieser ist belastet und determiniert ein "Über" als Teil der Gesellschaft, die als "Bevölkerung" eher negativ gefasst wird. Der Begriff wird bei Gruhl und anderen Romantikern schon auf Situationen angewendet, beispielsweise Mitteleuropa, in denen klar wird, dass ihnen eigentlich jeder andere Mensch zu viel ist - also eine narzisstische Projektion, der selbst Malthus noch voraus ist.
Mir würde es eventuell um eine vernünftige Diskussion dessen gehen, wie eine Zuwachsrate der Gesellschaft unter welchen Zuständen eventuell die prinzipiell vorhandenen materiellen Möglichkeiten übersteigt, den Bedürfnissen aller gerecht zu werden. In die Kritik zu nehmen sind zuvörderst Zustände, in denen Kinder und ihre Zahl zu reaktionären Zwecken instrumentalisiert werden, etwa in Gaza, aber auch in allen Gesellschaften, in denen Individuen denken, sie würden Wert allein durch die Zahl der Nachkommenschaft erlangen können, und dadurch Frauen zu Organen der Familienehre machen - bzw. sie bei Infertilität verbannen.
Wäre man pragmatisch, müsste man auch konstatieren, dass eine Vervielfachung der Individuenzahl in einer Gesellschaft, in der die Produktionsbedingungen sich eben nicht halb so schnell entwickeln, bzw. sogar real schlechter werden, zu Konflikten führt. Prinzipiell ist davon auszugehen, dass eine rationale Gestaltung der Gesellschaft alle Individuen ernähren könnte. Darin enthalten ist aber implizit auch die Vorstellung, dass diese Individuen sich rational verhalten und nicht im Konkurrenzprinzip massenhaft Kinder in die Welt setzen, um ihren Phallus zu vermehren. Ein wenig die Frage nach Henne und Ei.


Doc Holliday (17.7.08 22:24)
Du scheinst mir da etwas zwischen ökonomischen und pychoanalytisch/politischen Problemstellungen zu schwanken.
Vielleicht wäre es sinnvoll, zunächst einmal durch Exklusion den Gegenstand der Debatte zu fixieren.
1. OECD et. al.
Hier finden sich zwar dichtbesiedelte Staaten, die Zahl der Geburten pro Frau liegt aber durchweg nicht wesentlich über 2. Hier findet also keinerlei "Bevölkerungsexplosion" statt, steigende Einwohnerzahlen gibt es höchstens aufgrund von Zuwanderung oder Altersstruktureffekten.
Insbesondere in "Old Europe" reproduziert sich die Bevölkerung nur noch sehr unwillig. (1 Kind / Frau meint Halbierung in jeder Generation).


Doc Holliday (17.7.08 22:36)
2. Sehr arme Länder, Kinder als Arbeitskraft/Wohlstandsquelle und Altersvorsorge bzw. mangende Verhütungsmöglichkeiten; damit zusammenhängend circulus vitiosus, da Wirtschaftswachstum sozusagen durch Bevölkerungszuwachs zurückgenommen wird.

Hierzu ist sicherlich schon sehr viel von klassischen Entwicklungshelfern geschrieben worden, dieses Phänomen scheint auch global eher abzunehmen; teilweise wohl tatsächlich aufgrund gezielter politischer Intervention (1-Kind-Politik in China als autoritäres Beispiel für eine Adaptierung solcher Konzepte).
Ausnahmen gibt es trotzdem, teilweise leiten diese über zu


Doc Holliday (17.7.08 23:14)
3. Politisch-kulturelle Faktoren
Die Bevölkerung des Gaza-Streifens wird sicherlich in absehbarer Zeit keinen wesentlichen Anteil der Naturressourcen der Erde verbrauchen, "Überbevölkerung" meint hier etwas anderes als im klassischen grünen Denken.
Sehr hohe Geburtenraten finden sich aber noch in einer Reihe anderer Länder.
Hier ist eine Rangliste:
http://www.welt-auf-einen-blick.de/bevoelkerung/geburtenrate-1.php


Doc Holliday (17.7.08 23:16)
Auf der gleichen Seite findet sich auch eine Liste der Fruchtbarkeitsziffern (Kinder pro Frau), m.E. ein analytisch wertvollerer Index. Leider ist diese Liste aber nur alphabetisch sortiert (flüchtiges drüberschauen zeigt durchaus Unterschiede).

Das subsaharische Afrika dominiert sehr stark, außerdem islamische Staaten in Asien (Uganda, Somalia, Jemen, Afghanisten auf den ersten Plätzen bei der Fruchtbarkeitsziffer). Die islamischen Staaten in Nordafrika haben bekanntlich die Geburtenraten in den letzten Jahrzehnten dramatisch reduziert, und liegen jetzt auf OECD-Niveau.

Conclusio verkneife ich mir besser, jetzt habe ich erstmal genug rumdilletiert (z.B. ist Punkt 2 natürlich in Afrika noch längst nicht vom Tisch, er ist nur nicht mehr _der_ Punkt in der "3. Welt").
Nunja.


Doc Holliday (17.7.08 23:32)
Übrigens scheint, von einigen Außreißern abgesehen(!), bezogen auf den (kurzen) Zeitraum 2003-2007 die Geburtenziffer bei den hier "führenden" Staaten fast überall abzunehmen. Vielleicht ist das noch am ehesten ein Resultat: Bevölkerungsexplosion verschiebt sich von einem generellen Phänomen der "3. Welt" zu einem spezifischen.
Nicht das schlechteste Resultat, und jedenfalls nimmt es den Propheten des unvermeidlichen Weltuntergangs den Wind aus den Segeln.


Doc Holliday (23.7.08 13:38)
Die Diskussion ist zwar schon gelaufen, aber beim Nachdenken über deine letzte Filmkritik bin ich nochmal hier gelandet.
Dabei ist mir eine Ungenauigkeit meinerseits beim Stichwort marxistische Malthus-Kritik aufgefallen:
Die marxistische Malthus-Kritik besteht in folgendem Satz: "Der Kapitalismus (ließ: die konkrete ökonomisch/soziale Verfasstheit einer Gesellschaft) bestimmt das Bevölkerungsgesetz." (o.s.ä.; MEW, irgendwo)
In sofern muss in dem einen Kommentar von mir strenggenommen ein Doppelpunkt durch einen Punkt+Absatz ersetzt werden. Nur kann ich das jetzt nicht mehr tun.
Ein narzisstisches Tschernobyl!
http://xkcd.org/386/


Doc Holliday (23.7.08 13:45)
Nicht marxistische, sondern marxsche! O Gott! Ein narzisstisches Majak!


Doc Holliday (24.7.08 20:54)
Es hört nicht auf.
Heute lese ich bei Golem:
"Sahara als Stromquelle für die EU"
http://www.golem.de/0807/61278.html

Meine Idee! Ich will 1% vom Umsatz!

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