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Ethnomedizin – universitär geförderte Esoterik

Für die ernsthafte Erforschung medizinischer Belange und Methoden im außereuropäischen Kontext empfiehlt sich die Medizinethnologie. Dort forscht man über unterschiedliche, kulturell vermittelte Bedingungen des Diabetes mellitus, über psychiatrische Erkrankungen bei den Agni und toxische Substanzen in den Zauberpräparaten der afrikanischen Wunderheiler.
Weniger seriöse Ethnologen befassen sich dagegen mit der sogenannten „Ethnomedizin“, die unverkennbar esoterische Einschläge hat, wobei diese Abgrenzung kaum trennscharf vorzunehmen ist. Klarheit besteht jedoch über die im Folgenden beschriebene Institution.
An deutschen Ethnologieinstituten finden sich derzeit Werbeflyer für „Fortbildungen“ am „Institut für Ethnomedizin“ in München. Dieses kooperiert, so der Flyer, mit der Landeshauptstadt München sowie der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dem Institut würden 10 000 Wissenschaftler und Personen angehören.
Einer sich „fortbildenden“ Studentenschaft wird ein Zertifikat versprochen, das in drei dreitägigen Seminaren für schlappe 720 Euro erstanden werden kann. Angeboten wird etwa ein „Intensiv-Praxis-Seminar“ im Eibenwald, bei dem es aufs Ganze geht:

„Lassen Sie uns in drei Tagen die Grenzen des Verhaltens. Erlebens und Bewusstseins überschreiten und neue Dimensionen heilerischen Schaffens ergründen. Erleben Sie in dieser ausgesprochen praxisnahen Fortbildung intensiv das Wirken von Heilern aus Peru, Mexiko, Kasachstan und unserer eigenen Kultur. Wir laden Sie ein, die vorgestellten Methoden selbst zu üben, zu erfragen, zu beobachten – von handfesten chiropraktischen Anwendungen der Mochica, einer prä-inka-Kultur über archaische Heilrituale bis hin zum Aufspüren der spirituellen Wurzeln einer jeden Krankheit. Mit Wissenschaftlern erleben Sie angewandtes archaisches Wissen aus den Heilweisen der Natur. Mitten im Naturschutzgebiet des Paterzeller Eibenwaldes, dem Baum unserer Heiler-Vorfahren, der Magier und Druiden, erfahren Sie das Orakeln und „Raunen“ der Runen, hören das Wispern der Pflanzengeister und erforschen die Botschaften in Ihren eigenen inneren Tiefen.“

Wo man Blutslinien zu „Heiler-Vorfahren“ und germanischen „Druiden“ und „Magier“ sehen will, liegt es nahe, dass man auch das „Wispern der Pflanzengeister“ und wahrscheinlich so einige Stimmen mehr hört. Dass zu den archaischen Heilritualen auch die Schädeltrepanation zur Lokalisierung böser Geister, die Pfählung von Zauberern und Hexen, das im Sudan verbreitete Exzisieren des Gaumenzäpfchens bei Kindern oder die Verabreichung von übelriechenden Gebräuen zur Heilung von Blindheit, Siechtum und Armut gehört, ist auszuschließen - das wäre dem toleranten Klientel dann doch abträglich. Im „interdisziplinären Arbeitsfeld Ethnomedizin“ kommt aber letztlich alles zu seinem Recht, solange nur ordentlich geraunt und geklappert wird. Die Referentenliste wimmelt infolgedessen von namhaften Autoritäten.

Ein Angaangaq Lyberth ist aus Grönland als „Ältester seines Volkes“ vom „Ältestenrat“ geschickt worden, um als Vertreter einer Gerontokratie mit der „Windtrommel“ eine „praktische Spiritualität“ zu predigen, von einer Gesellschaft, die „keinen Krieg kennt“.

Claudine Lightfoot Chiefstick aus den USA ist „weibliches Oberhaupt“, „Hüterin des geheimen und spirituellen Wissens im Ältestenkreis der Stammesfrauen“. Außerdem ist sie Tochter von gleich zwei letzten Stammeschefs, der Cree-Little Bear und der Assiniboine.

Don Pedro Guerra Gonzalez ist Schamane aus Peru und hat sein Wissen „durch die Bäume erhalten“. Sein Hobby ist die Seklusion im Wald und dort das Kommunizieren mit Pflanzen- und Baumgeistern.

Naile Ngema Lama kommt aus Nepal und wurde mit 8 Jahren „von den Urahnen der Schamanen berufen“.

Hassan Muwonge aus Uganda hat „wie seine Mutter“ die „spirituelle Gabe, mit bestimmten Geistern kommunizieren zu können.“

Ein Quetzal aus Göttingen vertritt die Gilde der „Spagyrik“, einer alchemistischen „Wissenschaft aus dem Mittelalter“.

Das übliche Klientel deutscher und amerikanischer Wissenschaftler mit allen möglichen Dr. und Prof. vor dem Namen ist natürlich ebenfalls sattsam vertreten.

Selbstverständlich wird auch Projektarbeit in fremden Ländern geleistet, das Ganze dient ja nur der Schaffung des Weltfriedens und der Erhaltung „ursprünglicher Völker“ sowie der „Wiederbelebung der Spiritualität“ bei diesen.

Wenn solches Bedürfnis nach Aufwertung der infantilen Magievorstellungen wissenschaftliche Ablässe erhält, kann die Regression prächtig gedeihen. Die Eltern wurden von jedem einst für Magier gehalten. Weil diese Vorstellung enttarnt und gekränkt werden muss, möchte so mancher magische Eltern um jeden Preis und sucht sie sich in anderen Ländern und Zeiten. So ist es kein Wunder, dass es so häufig Älteste sind, denen man ergriffen lauscht, wenn sie von Besessenheit und Geisterstimmen reden. Der Wunsch, nicht denken zu müssen, sondern alles durch bloßes Kommunizieren mit Stimmen zu erfahren, ist autoritär seinem Wesen nach. So konformistisch die Revolte gegen die „materialistische Schulmedizin“ und überhaupt die industrialisierte Welt ist, so sehr will sie die alten Autoritäten wieder einsetzen, Stammesratsbeschlüssen lauschen und mit Bäumen reden. Sadismus ist letztlich dem aggressiv friedlichen Grinsen jener europäischen Claqueure der autochthonen Heilerei ins Gesicht geschrieben, die von negativen Folgen der teils brutalen Behandlung von wie auch immer Erkrankten nichts wissen wollen.

Zugleich ist man als autoritärer Charakter äußerst findig im Nachahmen des autoritären Gerassels im regulären universitären Bereich. Wo dieses magisch wird, übernehmen die Magier bloß, sie stehlen nicht. So raunt man in Eibenwäldern zwischen Druidengeistern von Curriculum, Dr. phil., Zertifikaten, Expert/-innen, Supervision, Systemen und Reflektion. Veranschaulicht wird so das magische Rotieren des Universitätsbetriebes um leere Hülsen, das Fortbestehen von archaischen Atavismen. Nicht die in für ihre Patienten so häufig beklagenswerten Zuständen agierenden traditionellen Heiler vom Dienst sind Zeichen des erfolgreichen Primitivismus, sondern ihre europäischen Pendants in den schamanischen Institutionen der Prüfungsbüros, Dekanate und Exzellenzcluster mit ihren Unterschriftenzaubern, den Auswahlorakeln, der Initiationspflicht und den kryptisch-esoterischen, hohlen Formeln der Postmoderne.

4.7.08 12:26
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


paule / Website (8.7.08 14:33)
Ich habe auf der Entheovision im letzten Jahr mehrfach große Schwierigkeiten gehabt, diese »Abgrenzung trennscharf vorzunehmen«. Spiritualität war dort zwar vornehmlich Accessoire einer drogenpolitischen Argumentation - ich habe in meiner Nachbereitung der Vorträge allerdings auch fahrlässig darauf verzichtet, mich um mögliche regressive Tendenzen (im Sinne deines Textes) zu kümmern. Ich sollte das dringend nachholen.

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