Indiana Jones war auf Englisch vermutlich nur geringfügig besser zu ertragen als in der synchronisierten Fassung. Es begeisterte zunächst die detailverliebte Rückprojektion in eine Zeit, in der Atomwaffentests perverses Begleitspiel kleinbürgerlicher Gartenkultur waren. Die Paranoia der puppenhaften Bürger wurde letztlich genau durch das beruhigt, wovor sie sich fürchteten: durch den Atomkrieg vor der eigenen Haustüre, die schleichende radioaktive Verseuchung ganzer Landstriche. Von daher ist die Parodie des im Kühlschrank eine Atomexplosion überlebenden Indiana Jones mehr als nur unrealistisch – sie ist surrealistisch, wenn Jones zuerst in vollem Ornat vor der Atomexplosion als Ansichtskartenmotiv posiert und sich danach dekontaminieren lässt. Geniale Momente feiert auch der Easy-Rider Mutt Williams in der permanenten Persiflage einer auf Körperkult wie Aufruhr gleichzeitig versessenen ödipalen Generation.
Diese darf jedoch niemals siegen – und damit beginnt das filmische Elend. Mutt bleibt steter Unterworfener, verliert die Mutter an den übermächtigen Vater, bleibt Statist der wirklich entscheidenden Szenen und darf nicht einmal am Ende den väterlichen Hut übernehmen – er wird ihm autoritär wieder entnommen, der ganze Kampf war vergeblich. Das ist pädagogischer Schwachsinn und nur ökonomisch zu erklären: Ein fünfter Teil bedarf eines zwar weiter gealterten, jedoch unangefochten rüstigen Indiana Jones. Vermutlich wird erst dort Mutt die eigentliche Ehre zuteil, den dann schwächelnden Vater zu retten, abzulösen und somit komplett den ödipalen Konflikt abzuschließen.
Weiter bleibt beim satirischen Zitat der sowjetischen Domina die Satire auf halber Strecke stecken. Zu plan wird sie aufgebaut und zu bemüht entfernt sie sich von der Satire zum reaktionären Stereotyp. Den Kommunistenfressern im Westen galt eben nicht nur die offenbare Unfreiheit und der Staatsfetischismus als feindlich, sondern ganz besonderes Unbehagen erregte das zumindest teilweise eingelöste Emanzipationsversprechen Frauen gegenüber. Die russische Domina, die DDR-Deutsche Grenzermatrone, überhaupt die böse, aggressive Frau im Banne des als matriarchal identifizierten Totalitären wird zumeist besiegt von den tapferen Helden, die wider Willen gezwungen sind, Frauen zu schlagen. Seltener treten die Olgas, Nataschas oder Irinas im Showdown gegen halbemanzipierte Liebchen des Helds an, die dann einmal eine Gelegenheit bekommen, zu beweisen, dass sie ihrem Mann stehen, jedoch niemals für sich selbst kämpfen dürfen. Dieses in James-Bond zelebrierte Muster wurde durch cultural heroes wie Lara Croft aufgebrochen. Dass Indiana Jones dahinter zurückkehrt, ist hochgradig regressiv und kaum als kritische Fußnote zu verstehen. Es bleibt die nur durch Liebesentzug selbstständig gewordene Frau vom aufgespaltenen Ambivalenzkonflikt übrig, die fortan im Wesentlichen beschützt werden muss vor der fechtenden Lederstiefelsozialistin. Wenn Henry Jones zu den Frauen geht, vergisst er eben seine Peitsche nicht. Und schon gar nicht den Hut. Der Witz dient nur dazu, den Impetus via Ironisierung am Leben zu erhalten.
Nicht minder reaktionär ist die rassistische Verwendung des Stereotyps: „Kampfbereite, hässliche, kleine Indianer beschützen großen Mythos, werden aber vernichtet, weil großer Mythos weißem Mann gehören soll.“ Kindgleiche Aggressoren werden mühelos zerschlagen, vergiftete Pfeile zurückgepustet und mit magischem Zauber verjagt, dass es nur so eine Art hat. Ameisen und Indianer gehen in der filmischen Logik als gemeinsame Gattung auf.
Nach dem zehnten Countdown und den gleichförmigen Rufen „Gooo! Gogogo!“ zieht sich der Film endlos bis zum erwartungsgemäß dumpfen Finale, das durch exzessive Animation kaum besser wird. Somit bleibt dieser Teil ein verzweifelter Versuch, der Wiederholung des Immergleichen durch Überidentifikation zu entkommen – was scheitert, weil die dazu notwendige Distanz zu den Vorläufern nicht aufgebracht werden kann.