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Südafrikanische Pogrome

Europäische Gutmenschen behaupten bisweilen reaktionäres Gedankengut als Erfindung und somit Vorrecht von Europäern. Dementsprechend gestaltet sich die Berichtserstattung über die seit Wochen andauernden Pogrome gegen Flüchtlinge und Immigranten in Südafrika. Eine ernsthafte kritische Analyse der abzusehenden Verfolgungen bleibt aus, stattdessen dominiert Rationalisierung, konsternierte Fallberichtserstattung und routinierter, sensationslüsterner Journalismus.
 
Je nach Laune wird einmal die Regierung Mbeki verantwortlich gemacht, ein andermal wird den Verfolgern das Wort geredet: es seien tatsächlich zu viele Flüchtlinge in Südafrika angelandet und die Armut unerträglich. Naive Stimmen zeigen sich entsetzt, dass "so etwas" "jetzt auch" unter Schwarzen möglich sei. Bei konservativen Medien bricht unbewusster Rassismus hervor: "Südafrikas hässliche Fratze" lautet der eindeutige Titel in der FAZ, anscheinend hat sich noch nicht herumgesprochen, dass Gesichtsmetaphern mehr Ausdruck von verinnerlichten Stereotypen sind denn tragfähiges Medium einer differenzierten Betrachtung.
 
Dabei ist afrikanischer Rassismus ein bekanntes, beforschtes und dennoch ignoriertes Phänomen. Bemerkenswert ist jedoch die Permanenz, mit der rassistische Verbrechen wie sie in Ruanda, Kongo, Kenia, Nigeria massenhaft geschahen und geschehen, als vermeintlich überraschende Ausnahmeerscheinungen jeweils isoliert behandelt werden. Als würden solche Ereignisse von außen hereinbrechen. Ein dialektisches Verständnis, das die Vermitteltheit von ökonomischen, kulturellen und historischen Umständen verinnerlicht hat, ist Bückware.
 
Die Ethnologen Jean und John Comaroff publizierten bereits vor Jahren ausführlicher über die gegen Immigranten und Wanderarbeiter gerichteten Ressentiments. Diese sind oft magischer Art: Immigranten und Wanderarbeiter werden als Zombies und Hexen identifiziert und verfolgt. Hexereivorwürfe werden in ganz Afrika zunehmend ethnisiert.
Die Hexenjagden in Südafrika kosteten in den Neunzigern über 5000 Opfer das Leben, viele weitere wurden obdachlos oder Flüchtlinge im eigenen Land. Die Comrades, die Jugendorganisation des ANC, mischten Befreiungspropaganda mit Standgerichten gegen mehrheitlich alte Frauen, denen Hexerei vorgeworfen wurde. (s. Niehaus 2001, s. Ashforth 2006) Hingerichtet wurden sie bevorzugt durch das "Necklacing": die Opfer wurden mit einem Autoreifen fixiert, mit Benzin übergossen und angezündet.
 
Die Vorwürfe bezogen sich bereits da auf Arbeitslosigkeit und Fremdheit, unternehmerischen Individualismus und egoistisches Machtstreben, durch das Kapital forcierte Mobilität und die abgewehrte Auflösung von patriarchalen und feudalen Traditionen. Die jüngste Gewalt hat demnach eine lange Traditionslinie. Über Dekaden gärten in der südafrikanischen Gesellschaft oder besser in den Gesellschaften die Widersprüche. Die paternalistische Propaganda der rassistischen Modernisierungsdiktatur der Apartheid hatte ihren wahren Kern: reaktionärer Tribalismus und magische Paranoia. Diese wurden von afrikanischen Ideologen zur begrüßenswerten afrikanischen Kultur aufgewertet: Magie sei Spiritualität und den Tribalismus erklärte man zu einem Ursozialismus.
 
Diese Gemeinschaftsideologie, mal mit pseudophilosophischen Termini wie "harambe" oder "ubuntu" verbrämt, ist nur symptomatisch für den narzisstischen Affekt, der in Afrika grassiert. Dass sich die afrikanische Realität schlimmer als in den rassistische Projektionen der Weißen gestaltete, ist unerträglich für die afrikanischen Eliten. Ernsthafte Reflexion über gesellschaftliche Widersprüche wurde zumeist vermieden. Aufklärung kann allerdings ohne Kritik nicht stattfinden. Diese Reflexionsverweigerung stärkt die reaktionären Elemente in den afrikanischen Gesellschaften, schneidet das Kollektiv auf einen Führer zu, der als Big Man die Widersprüche so sehr verdinglichen wie aufheben soll. Die Ideologienbildung schreitet voran, je selbstbewusster sich solche erzreaktionären Elemente im Mantel des Kulturalismus plustern können.
Das afrikanische katholische Klientel wird nach Harnischfeger in einigen Jahrzehnten die Mehrheit aller Katholiken darstellen und die derzeitig nur scheinbar auf europäisch-liberale Positionen zugeschnittene Kirchenpolitik durch einen stramm homophoben, spiritistisch-exorzistischen und sexistischen Konsens ersetzen.
(s. Harnischfeger in Schmidt/Schulte 2007, S. 126)
Ein nach dem Freedom-House-Index freier Staat wie Ghana zeichnet sich immer noch durch Gefängnisstrafen für homosexuelle Handlungen aus. Und eine der aggressivsten islamistischen Regionen weltweit befindet sich weitab der vielbeachteten Konfliktherde Iran und Afghanistan in Nigeria.

Die Idealisierungen erfahren ihr Pendant in der Projektion von Ursachen solcher Phänomene auf äußere Mächte. Verschwörungstheorien wähnen mal die CIA, mal die Weltbank, Hexen oder weiße Rassisten als Drahtzieher hinter Afrikas Elend. Manzini, der Chef des südafrikanischen Geheimdienstes, schwadroniert erwartungsgemäß von 'elements' und 'forces' aus den Reihen der Pro-Apartheidszene, die die jüngsten Pogrome initiiert hätten, um Südafrika zu diskreditieren:

"We believe that as South Africa prepares for another national election early next year, the so-called black on black violence that we witnessed prior to our first election in 1994 has deliberately been unleashed and orchestrated. [...] Because we believe there are forces in this country and outside who continue to refuse to accept that we are capable as a people to rule and govern ourselves. [...] That we are capable as Africans to set an agenda that seeks to uplift our people from the shackle of poverty visited upon us by the colonial past.[...]"
He said as South Africans consolidated their democracy, they should expect that there would be those in their midst "influenced and supported by external forces", who would always want to "push us to the back".

Die mit den Pogromen einhergehenden Raubzüge seien Beweis, dass kriminelle Energien maßgeblich seien, nicht etwa Ausländerhass. Solche Rationalisierungen haben einen doppelten Entlastungseffekt: Die Gesellschaft wird freigesprochen, Hass und Rassismus zu befördern. Das Individuum kann sich auf den Standpunkt des Bedürftigen zurückziehen, der nur zurückschlägt. Dass keine materielle Notsituation einem das Recht gibt, Menschen auf Matratzen zu binden und johlend anzuzünden, bleibt dann unbehandelt. Appeasement gegenüber dem Mob wäre es, auch nur irgend ein nicht für die Opfer und Flüchtlinge gedachtes Hilfsprogramm anzudenken. Genauso darf in Ostdeutschland kein Arbeitsplatz mit der Begründung geschaffen werden, dass dadurch pyromane Neonazis vermeintliche Perspektiven bekämen.
Erfreulich ist darum um so mehr, dass zu dem in Afrika wie in Europa imaginierten Bild von der afrikanischen Gemeinschaft Kontrapunkte gesetzt werden: In Demonstrationen gegen Mbeki und Xenophobie, Blogs und Zeitungsartikeln.
 
Beiträge in der taz:
 
Beiträge in der FAZ-online:
 
Beiträge auf Zeit-online:
 
Beiträge aus Afrika:
 
Literaturauswahl zum Thema:
 
Adam Ashforth: Witchcraft, Violence and democracy in South Africa. 2005: University Press of Chicago. 376 Seiten.
 
Isak Niehaus: Witchcraft, Power and Politics. 2001: London, Pluto Press.
 
Irene Etzersdorfer, Michael Ley (Hg.): Menschenangst - Die Angst vor dem Fremden. 1999 Mainz: Philo-Verlagsgesellschaft. 197 Seiten.
 
Jean Comaroff, John Comaroff: Alien Nation: Zombies, Immigrants and Millenial Capitalism. The South Atlantic Quarterly - Volume 101, Number 4, Fall 2002, pp. 779-805.
 
Jean Comaroff, John Comaroff: Occult Economies and the Violence of Abstraction: Notes from the South African Postcolony. 1999 American Ethnologist. 26(3): 279-301.
 
Burghart Schmidt, Rolf Schulte: Witchcraft in Modern Africa/Hexenglauben im modernen Afrika. 2007: Hamburg, Dobu-Verlag.
26.5.08 11:04
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


unrelaxt / Website (26.5.08 19:47)
Das bisher informativste, was ich zu dem Thema gefunden habe, danke dafür. Mir persönlich scheint der Begriff des Rassismus angesichts solcher weltweit immer vergleichbarer erscheinenden Phänomene allerdings zunehmend problematisch.


Nichtidentisches / Website (27.5.08 10:49)
Ja, das sehe ich auch so. Allerdings bleibt ein Rest von Unbehagen bei allen Begriffen, die nicht aus dem Gegenstand durch die Darstellung entwickelt werden.
Xenophobie trifft meines Erachtens nicht wirklich den Kern: Es geht mitunter nicht um die Abwehr des Fremden, sondern ganz offen auch um die des Bekannten, des Konkurrenten. Rassismus ist dort gegeben, wo körperliche und am Körper verdinglichte sprachliche/kulturelle Merkmale als Vorwand zur Abwertung herangezogen werden. Das ist m.E. in Afrika sehr häufig der Fall: bevorzugt die Dunkelhäutigsten, oder am aktuellen Beispiel durchaus auch jene, die nicht Zulu sprechen werden viktimisiert. In Tansania sind es gerötete Augen, die als Zeichen von Hexerei gelten, durchaus ein rassistisches Konzept, weil körpereigenes Merkmal. Ein solcher Vulgärrassismus bedarf nicht einmal der kruden rassistischen Theoriebildung der europäischen Romantik und der Sklavenhalter. Dennoch ist es über die biologistische Begründung eine Form des Rassismus. In manchen Fällen verschwimmt das. Von "gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit" zu sprechen erscheint mir allerdings zu harmlos.


Nichtidentisches / Website (27.5.08 10:53)
Und im Falle Ruandas und Kenias habe ich keinerlei Bedenken mit einem klassischen Rassismus-Begriff.

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