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Der Veräter von Betlehem – Kritik

Matt Beynon Rees: Der Verräter von Betlehem. Omar Jussufs erster Fall. München 2008: C.H. Beck. 326 Seiten, 17,90 €.

Normalerweise lassen mich Krimis gänzlich kalt. Wenn allerdings die oberhessische Presse ein Buch als Schauplatz eines sogenannten „palästinensischen Widerstandes“ preist und die Kurzinformation einen Krimi in Betlehem bewirbt, in dem ein Kollaborateur mit den Israelis von einem palästinensischen Lehrer gejagt wird, schrillen bei mir einige Alarmglocken.

Zumindest in dieser Hinsicht überrascht Rees sehr positiv. Über viele Seiten lässt sich die Hauptfigur Omar Jussuf, ein mehr oder weniger gestrandeter Lehrer vor der Rente, in abfälligen Bemerkungen über Märtyrer und Korruption aus, beschimpft jugendliche Marodeure, stellt Verschwörungsmythen in Frage und hält seine Schulkinder dazu an, Propaganda und Geschichtsklitterung zu hinterfragen. Den Kulturalismus eines amerikanischen UN-Schuldirektors nimmt er ebenso aufs Korn wie palästinensische Nationalmythen. Selbstmordattentate versucht er gerade nicht zu verbrämen als einzigen Ausweg aus elenden Verhältnissen, sondern rückt innerfamiliäre Konflikte und den gnadenlosen Sadismus darin ins Zentrum.

So erbärmlich Rees den palästinensischen Mob erscheinen lässt, der den zu Unrecht der Kollaboration bezichtigten Schützling Jussufs letztlich lyncht, so wenig kann er allerdings klären, warum Jussuf darin zustimmt, dass trotz allem in diesen Zuständen Kollaboration ein schweres Verbrechen sei. Dieser versucht lediglich nachzuweisen, dass sein verdächtigter Freund unschuldig am Verrat eines Sprengstoffschmugglers an die israelische Armee und der daraus resultierenden Liquidierung ist. Obwohl man stets an Jussufs intimen Gedanken teilhat, lässt Rees an ihm keinen Funken Verständnis für die israelische Position der gezielten Eliminierungen erkennen. Mit der Familie des Sprengstoffschmugglers ist Jussuf recht gut Freund und dass der jüngste Sohn im weiteren Verlauf erst die eigene Schwester ermordet und vermutlich vergewaltigt und dann ein Selbstmordattentat verübt, bleibt von Jussuf weitgehend unkommentiert. Das mag man Rees noch als realistische Zeichnung eines widersprüchlichen Charakters verzeihen.

Noch in der schonungslosen Offenlegung der Provokationstaktik der Märtyrerbrigaden, die gezielt Zivilisten zu Opfern von Gegenangriffen zu machen suchen und christliche Orte zum Schutz aufsuchen und der Hoffnungslosigkeit für emanzipatorisches Denken in all dem Sumpf liegt allerdings ein Moment eingebettet, das sich gegen die aufklärerische Absicht zu verkehren droht. Besonders offensichtlich wird das in einem Satz zur Mitte des Buches. Israelische Soldaten reißen in der fraglichen Szene eine Straße auf, um den Waffenschmuggel zu erschweren. Jussuf kommentiert die Frage seiner Frau nach dem Warum des Vorgehens mit „Einfach weil sie es tun können, diese Schweine“. Daran schließt sich folgendes an:

Selbst im Dunkeln merkte er, dass Marjam ihm nicht glaubte. Schließlich war er es gewesen, der ihr immer gesagt hatte, dass blinder Haß auf die israelischen Soldaten dazu führte, dass man ihre Taktik missverstand. Die Leute sahen in ihnen nichts als grausame Tiere, und das war der erste Schritt dazu, selbst genauso bösartig zu werden wie sie.

‚Normalerweise redest du nicht so von ihnen, Omar.’

‚Gut, dann weiß ich es eben nicht. Ich weiß nicht, warum sie es tun. Ich will nur, dass sie wieder gehen, damit wir diese verdammte große Loch in der Straße wieder zuschütten können.

So abstrakt und fern das im irgendwie legitimierten Ausnahmezustand als „bösartig“ titulierte Israel erscheint, so pathologisch ist der gesamte Blick darauf. Während Rees intensiv an palästinensischen Widersprüchen teilhaben lässt und klandestine Sympathie für die Christen in Betlehem verbreitet erscheinen Israelis nur in Form von Geschossen, Hubschraubern und zuletzt Soldaten. Die ihnen entgegengebrachte Kälte wird ihnen selbst noch angeheftet. So verbleibt das Buch in selbstgewählten Grenzen eines zwar chaotisch-grausamen, aber irgendwie doch heimatmäßig liebenswerten Palästinas, in dem es für eine proisraelische Position oder gar Kollaboration keinen Platz gibt. Das von all dem innerpalästinensischen Wahnsinn zuvörderst betroffene Israel ist Rees kaum Empathie wert, von pflichtschuldigen und tatsächlich sogar sehr glaubhaften Verurteilungen der Selbstmordattentate abgesehen.

Vielleicht erweist sich allerdings einem unbedarften Leser gegenüber gerade das als Stärke. Denn alle Bedingungen für eine proisraelische Position werden eingeschleust. Die Flucht der Palästinenser aus Israel wird als solche kommentiert und nicht das Lied der massenhaften Vertreibung gebetet. Der innerpalästinensische Wahnsinn wird als zuinnerst pathologisch und absurd gezeichnet. Und die israelischen Angriffe bleiben stets recht nüchtern geschilderte Reaktionen, deren Gründe in Mord, Sprengstoffschmuggel und mutwilligen Angriffen klar benannt werden. Insofern lässt sich viel Kritik am morbiden Hinstarren auf Zustände oder der kulturindustriellen und damit zwangsläufig betulichen Aufarbeitung realer politischer Probleme ausbreiten, der Anfangsverdacht der antiisraelischen Propaganda durch das Medium des Kriminalromans unter Hinzuziehung des hochbefrachteten Begriffs „Verräter“ lässt sich allerdings kaum erhärten. Der für die notorisch konformistisch rebellierenden Krimis übliche synthetische Abschluss bleibt einem dadurch allerdings nicht erspart: Der trunksüchtige Vertreter der palästinensischen Polizei, obgleich schwach, obsiegt und tötet den letztlich von Israelis wie Jussuf gejagten perfiden Doppelagenten. Jussuf erhält zur Belohnung für seine Entbehrungen das Amt des durch ein auf ihn gerichteten Attentat ermordeten UN-Schuldirektors, die Kinder aller unschuldigen Opfer werden sämtlich bei ihm aufgenommen.

7.5.08 18:21
 


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