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Der Iran - Analyse einer islamischen Dikatur und ihrer europäischen Förderer - Rezension

Der Iran – Analyse einer islamischen Diktatur und ihrer europäischen Förderer.
Mit einem Vorwort von Leon de Winter und einem Geleitwort von Henryk M. Broder. Hg. von Stephan Grigat und Dinah Hartmann. 2008, Innsbruck: Studienverlag. 292 Seiten. 29,90.

Während der Klimawandel, Irakkrieg, Nazis oder Studiengebühren die deutsche und europäische Linke bis aufs Blut reizen und sie zu Zehntausenden, im Falle des Irakkrieges zu Millionen auf die Straßen treiben, demonstrieren gegen das iranische Regime in schöner Regelmäßigkeit lediglich ein paar Grüppchen Exiliraner und hart gesottene israelsolidarische Aktivisten. Der durch das iranische Mullahregime angekündigte und seit langem mit viehischer Bestialität praktizierte Massenmord erscheint kaum mehr als Fußnote in den kalten Berechnungen von deutschen und österreichischen Politikern und ihren Flakhelfern von links und rechts. Grigat/Hartmann haben – fassungslos diesem Phänomen gegenüberstehend – hochkarätige Aufsätze und Positionen von über 20 Autoren versammelt, in der verzweifelten Hoffnung, den vorhandenen Kritikern theoretische, empirische und moralische Unterstützung zu liefern und grimmig darauf zu beharren, dass niemand sagen kann, er hätte nichts gewusst. Besonders bemerkenswert an diesem künftig für jeden irgend am Weltgeschehen interessierten Menschen unvermeidlichen Standardwerk über den Iran ist die Dichte, mit der Ereignisse und Topoi von unterschiedlichen Orten aus beleuchtet werden, ohne sich über das absolut notwendige Maß hinaus zu wiederholen, die Akribie, mit der in Zitaten und Fußnoten der ganze Wahnsinn in seiner blanken und nackten Offenheit dokumentiert wird.

Stephan Grigat weist in „Die iranische Bedrohung – Über die Freunde der Mullah-Diktatur und den Existenzkampf des jüdischen Staates“ nach, dass eine an Interessen orientierte Politik gegenüber Iran eine Unterstellung und Verharmlosung des dort vor sich hin wesenden eliminatorischen und selbstvernichtenden Antisemitismus ist. Khomeini und seine Nachfolger hängen einem Wahn an, der die iranische Bevölkerung als Geisel hält, die er jederzeit für die Erlangung seines klar artikulierten Zieles der Vernichtung von Juden opfern würde. Die nachlässige, betuliche Haltung, mit der die in dumpfer Wiederholung gebeteten Vernichtungswünsche zum Ausrutscher und nicht so gemeinten propagandistischen Trick verharmlost werden lassen sich laut Grigat nicht allein mit Naivität erklären. (21) Im Bedürfnis nach Relativierung sieht er ein fehlgeleitetes, pathologisches Moment der Vergangenheitsbewältigung. Daraus erklärt er, warum ein so löchriger Bericht wie der NIE (National Intelligence Estimate) zu Iran erstens überbewertet und zweitens auch noch falsch interpretiert wird: er wurde „eine Art Freibrief für Geschäfte und politische Kooperation mit den Islamfaschisten“. (25) Nicht erst auf diesen angewiesen waren die antiimperialistischen Komplizen aus Kuba, Venezuela, Nicaragua, Bolivien, deren Verknüpfung mit Iran Grigat als ein nur logisches, aus deren eigenem Wahn entspringenden Moment nachweist und erklärt. Darauf aufbauend zeichnet Grigat ein deprimierendes Bild israelischer Isolation nach, das nach dem „proxy-war“ mit Libanon im Sommer 2006 verzweifelt nach Bündnispartnern sucht um der iranischen Bedrohung Herr zu werden: „Israel geht gegen die Antisemiten von der Hisbollah mit militärischen Mitteln vor; die europäische Union hingegen betrachtet die libanesischen Islamisten nicht einmal als terroristische Organisation, und die deutsche sozialdemokratische Friedrich-Ebert-Stiftung organisiert gemeinsame Konferenzen mit Nasrallahs Gotteskriegern.“ (33) Die „Terrorrackets Hamas und Hisbollah“ sieht er als größere Gefahr noch als die antiquierte Al-Qaida, weil sie mit dem sozialrevolutionären Djihadismus perfekt an eine intellektuell degenerierte Linke anknüpfen: „Der politische Islam erweist sich als eine ausgesprochen erfolgreiche Ideologie der Elendsverwaltung.“ (34) Aus dem Faktum eines zu Nuklearwaffen greifenden, irrsinnigen, terroristischen Regimes, einer ignoranten, wenn nicht zu Komplizentum neigenden Linken und europäischen Staaten schließt Grigat: „Der War on Terror, den die USA seit dem 9/11 und die Israelis seit einigen Jahrzehnten führen, ist ein Krieg gegen den islamischen Faschismus. Er muss dann kritisiert werden, wenn er nicht als solcher geführt und benannt wird. Ansonsten verdient er die Unterstützung eines jeden, dem eine über sich selbst aufgeklärte Aufklärung und die Orientierung auf die allgemeine Emanzipation nicht schon völlig egal sind.“ (36)

Wahied Wahdat-Hagh vertieft die Analyse der in Iran herrschenden Ideologie in „Die Herrschaft des politischen Islam im Iran – Ein Überblick zu Struktur und Ideologie der khomeinistischen Diktatur“. In der islamischen Revolution sieht er „neue Form der totalitären Diktatur“, die mitnichten zusammenbreche oder gar von selbst in liberale Zustände gleiten könne. Aus der Verfassung und den kriminellen Umtrieben der Machtelite entstehe ein „Karusell der Macht. Sie klont sich gewissermaßen selbst.“ (44) So sind die einzelnen Führer austauschbar geworden, es bedarf keines besonderen Charismas mehr, dieses sei in der Ideologie perfekt verdinglicht und mittels eines „Imagetransfers“ gelingen reibungslose Machtübergaben. Weiter belegt Wahdat-Hagh die spezifische Form des „eliminatorischen Antizionismus“: „Die islamische Schuldprojektion ist unübertrefflich. […] Der khomeinistische Antisemitismus ist eine neue Form des eliminatorischen Antisemitismus. Dieser ist nicht rassistisch begründet.“ Wo er sein Primärziel nicht fassen kann, verfolgt er, wie Wahdat-Hagh in zwei Unterkapiteln nachzeichnet, die Baha’i und Frauen. Darüber hinaus mündet er in umtriebigen Aktivismus, der den Al-Quds-Day zur globalen Institution machte, auf Massenbewegung und Mobilisierung abzielt und die Revolution zu exportieren sucht. „Totalitäre Herrscher versuchen eine gemeinsame Identität mit den Beherrschten herzustellen. Der islamisch verbrämte Staat bleibt entschlossen, alle staatlichen Organe zu instrumentalisieren um seine Macht durchzusetzen.“ Im Falle Irans könne man von „einer dritten Spielart totalitärer Herrschaftsformen sprechen“. (56)

Gerhard Scheit sucht im Anschluss eine interessante, an Neumanns Faschismustheorie orientierte kritisch-theoretische Analyse der Vermitteltheit von Staatlichkeit und Racket in Iran (und dessen Fortwesen in Europa) zu leisten. Er sieht in den Revolutionsgarden keinen Staat im Staat, sondern einen „Staat im Unstaat“. (61) Diese entwickelten ein mafiöses „Banden-Business-Konglomerat“, mit dem sie einen Ausnahmezustand finanzieren, in dem den Machtträgern „alles erlaubt“ ist und unmittelbare Gewalt durch kein Recht verzögert wird. Dementsprechend sind die Bassidschi, die iranische selbsternannte Sittenpolizei aus Jugendlichen, auf keine Rücksicht angewiesen, wenn sie gegen Oppositionelle, Frauen und aufsässige Studenten losschlagen. Scheit kommt zu dem ernüchternden Fazit, dass Iran nicht einmal wie Nazideutschland Eroberungen wagen muss, um die Vernichtung der Juden zu finanzieren, sondern lediglich „gut im Geschäft bleiben mit den eigenen Rohstoffen.“ (65) Dabei bestehen weitere Differenzen, die das iranische Geflecht vom nationalsozialistischen unterscheiden: „Während der NS-Staat die Ware Arbeitskraft in der Arbeit zur Vernichtung aufgehen ließ, rechnet der Islam schon fix damit, dass die Arbeitskraft, die zur Ware wird, politisch bedeutungslos ist. […] Der Gegensatz der Ware, der Gegensatz von Tauschwert und Gebrauchswert wird am eigenen Leib aufgelöst. Das Individuum muss jederzeit bereit sein, den von ihm dargebotenen Gebrauchswert, die Arbeitskraft, auszulöschen – als Opfer, das für die Nation und umma zu bringen ist im Kampf mit jenem Gegenvolk.“ (70)

Yossi Melman weist nach, dass die Mullahdiktatur in Iran von Beginn an nach der Atombombe strebte, und dieses Ziel nie aufgegeben hat, sondern im Gegenteil vom NIE noch einmal entscheidend profitierte. In Kooperation mit Michael B. Oren stellt er in „Israels Alptraum – Die Rezeption der iranischen Gefahr im Staat der Shoahüberlebenden“ taktische Überlegungen an und liefert ein Bild der israelischen Diskurse über die iranische Bedrohung. Israel ist ihnen zufolge zutiefst der Gefahr bewusst, die eine von Monaten, und nicht wie hierzulande stets salbadert, von Jahren oder gar Jahrzehnten sei.

Fatiyeh Naghibzadeh untersucht in „Die göttliche Mission der Frau – Zur Geschichte und Struktur des Geschlechterverhältnisses im Gottesstaat Iran“ die historischen Vorbedingungen und Voraussetzungen der letztlich in Massenmord und Sittenterror mündenden Misogynie der islamischen Revolutionäre. Sie kommt zum Schluss: „Islamische Männlichkeit definiert sich über den Schleier der Frau.“ Die bürgerliche Institution der Familie wird auf den Kopf gestellt, indem nicht länger der Vater Vermittler zwischen Familie und Außenwelt ist, sondern die Frau zur zentralen, wenngleich rechtlosen, Institution wird, die durch die Reproduktion von Märtyrern eine zentrale Rolle erhält. „Dadurch wird die Frau einerseits sakralisiert und zum Ausgangspunkt der islamischen Gesellschaft gemacht; andererseits steht sie unter dem permanenten Generalverdacht, ihre Aufgabe als Reproduzentin der islamischen Normen und Werte nicht zu erfüllen. Sie ist Heilige und potenziell gefährlichster Staatsfeind zugleich.“ (109)

Alex Gruber ergänzt diesen Beitrag mit seiner Beschreibung und Kritik homophober Politik in Iran. So wurden seit 1979 4000 Homosexuelle in Iran hingerichtet, Jungen gelten ab 15 und Mädchen ab 9 für volljährig und können ab dann Sharia, das bedeutet Peitschenhieben und Todesstrafe zugeführt werden. (111) Über Iran hinaus greift der durch Fatwas zur religiösen Pflicht erklärte Terror gegen Homosexuelle besonders im Irak um sich als „sexual cleansing“ mit grausamsten Morden. (118) Strafphantasien und -praxis erlauben darüber hinaus erst das akribische Sprechen über Details homosexueller Sexualpraktiken im öffentlichen Fernsehen. Den Krieg gegen die Homosexualität stellt Gruber in einen direkten Zusammenhang zum Antisemitismus, der in Iran mit der Homophobie nicht nur mittelbar verknüpft ist. (123) Zuletzt führt Gruber Beispiele an, wie von europäischer Seite diese homophobe Mordbrennerei noch relativiert oder gänzlich geleugnet wird, mehr noch, die Kritiker solcher Verhältnisse als Rassisten und fanatisierte missionierende Homosexuelle erscheinen. (125f)

Florian Markl liefert in „Der lange Arm der Mullahs – Iranischer Terror von Beirut bis Buenos Aires“ die wichtige Widerlegung der allseits vorgebrachten Lüge, dass Iran ein friedliches Land sei, das noch niemals einen Krieg begonnen habe. Terror auf globaler Ebene ist System und innerster Staatszweck des iranischen Regimes, das von Botschaften aus seine Mörder gegen Kurdenführer und Oppositionelle wie auch gegen Amerikaner und Juden losschickt, um wie im Falle Österreichs durch diplomatische Intervention die Freilassung und Verschonung ebendieser Mörder nach der Tat zu erwirken. Die Hisbollah, irakische Milizen und das arabisch-nationalistische Regime in Syrien stellen weitere Kriegsparteien in Irans geschmiedeten Bündnissen dar, die jeden auch nur klammheimlich in Ferne angedachten Friedensschluss arabischer Staaten mit Israel und jede Reformbemühungen durch Drohung mit Terror und Aufwiegelei vereitelten.

Das Autorenteam Thomas Uwer und Thomas von der Osten-Sacken erhellen das Chaos im Irak durch das differenzierte Aufzeigen der iranischen Interessen und Bestrebungen sowie deren Scheitern. Der „Klerikal-Hooligan“ Muqtada al-Sadr enterte die vormals mehrheitlich gemäßigte irakische Shia – deren Anführer die amerikanische Befreiung begrüßte und zu Kooperation aufrief (159) – durch Terror und Mord. (153f) Iran unterstützt dabei durchaus konkurrierende und sogar sunnitische Terrormilizen. Eine eindeutige Strategie lässt sich nicht ausmachen, Uwer/Osten-Sacken kommen sogar zur These, die iranische Strategie für den Irak sei weder erfolgreich - „grandioses Scheitern“ - noch irgend rational, sondern selbst zuinnerst von der Konkurrenz der Rackets in Iran geprägt. (155) „Hier wird bereits eines der zentralen Probleme der iranischen Irakpolitik deutlich: Gruppen wie die Milizen Muqtada al-Sadrs, aber auch die Hisbollah, sind schlechte Verbündete. Ihr ideologischer Rigorismus, die Logik des beständigen Kampfes und nicht zuletzt organisatorische Eigeninteressen machen es schwer, sie dauerhaft und verlässlich unter Kontrolle zu bringen. Sie bedürfen daher genauso strenger Kontrolle wie großzügiger Unterstützung […].“ (157) Die Milizen entfalten demnach eine Eigendynamik, die darauf fußt, dass deklassierten jungen Männern absolute Macht über Leben und Tod gegeben wird, die sie in ständig perpetuierten Raubzügen und Morden ausüben dürfen. (161) Letztlich gelangen Uwer/Osten-Sacken zum Fazit, dass das Chaos im Irak nicht ein Erfolg iranischer Politik sei, sondern ein Beweis für die Schwäche und für das Scheitern Irans, einen Konkurrenten Irak dauerhaft zu demilitarisieren oder wenigstens über schiitischen Einfluss zu kontrollieren.

Nasrin Amirsedghi bezichtigt die iranische Linke in „Von der Sehnsucht nach Arbeitermacht zur Ayatollahmacht“ der Kollaboration. Unkritisch hat sich die iranische Linke, eine durchaus relevante außeriranische Bewegung ausschließlich gegen den Schah gewandt, ohne Alternativen zu bieten. Letztlich sei die Bewegung in dumpfen antiisraelischen und antiamerikanischen Ressentiments zwischen Moskautreue und Überlaufen zum Islamismus geendet und habe so den staatlichen islamistischen Mord an mindestens 150 000 Menschen aktiv befördert. Diese Massenmorde wurden von derselben, mit der iranischen Linken sympathisierenden, Prominenz (Wallraff, Fischer, Enzensberger, Gysi) schweigend geduldet, die laut Amirsedghi gegen den Schah und seine nur aus der verfehlten Politik Mohammed Mossadeghs und dem Zustand der iranischen Gesellschaft ermöglichte „Modernisierungsdiktatur“ Hungerstreiks und öffentlichkeitswirksamen Iranbesuche veranstaltete.

Der zweite Teil des Buches widmet sich besonders dem Verhältnis europäischer Staaten zu den Zuständen in Iran.
Matthias Künzel belegt in „Friedlich in die Katastrophe – Deutschlands Rolle im Atomstreit mit dem Iran“, dass Deutschland eine herausragende Rolle für die iranischen Mullahs spielte und mit aller Kraft wirksame Sanktionen verhinderte. Die Doppelzüngigkeit zwischen Merkels Aufrufen zur Solidarität mit Israel und den am gleichen Tag verkündeten Erfolgsmeldungen für die iranisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen (182) wird in einen ernüchternden Zusammenhang mit der Rolle Joseph Fischers gestellt. Dieser hat, mehr noch als zuvor Kinkel, für Ahmadinedjad Tür und Tor geöffnet, hat eigenmächtig ein europäisches Bündnis geschmiedet, das nach außen beteuerte, Iran von der Bombe durch Diplomatie abzuhalten, dessen Praxis jedoch darin bestand, die andauernde Verhöhnung solcher Bemühungen durch Ahmadinedschad für die europäische Öffentlichkeit in Erfolgsmeldungen umzulügen und von Verhandlungserfolgen zu faseln, wo Iran in Wirklichkeit einen weiteren Schritt zur Atombombe vollzogen hat. (184ff) Im Zuge dieser „Friedensverhandlungen“ wurde Deutschland zum wichtigsten Auslandspartner Irans mit einem Exportvolumen von 4,4 Mrd. Euro im Jahr 2005. Schröder/Fischer organisierten die staatliche Risikoübernahme für jegliche Geschäfte mit Iran. Die ganze Lächerlichkeit der von Fischer geleiteten Vermittlungsbestrebungen wird in iranischen Zitaten nackt sichtbar. So verspottete nach Küntzel Ahmadinedjad die Vermittler mit Details aus Verhandlungsgesprächen: „Als erstes wollten sie, dass wir die Urananreicherung für sechs Monate unterbrechen. […] Dann baten sie um drei Monate, dann um einen Monat. […] Nun haben sie uns vorgeschlagen, dass wir sie für eine kurze Periode, für einen Tag aussetzen. […] Sie sagten uns, dass wir […] erklären sollen, es habe technische Probleme gegeben. Aber wir haben keine technischen Probleme! Warum sollten wir das Volk belügen?“ (190) Nachdem London und Paris aus der europäischen Dialogachse ausscherten und nun ebenfalls auf Sanktionen bestanden, schloss Österreich die entstehende ökonomische Lücke und stieg mit zum wichtigsten Partner Irans auf. Küntzel versucht, die bodenlos unverschämte, zynische und verantwortungslose deutsch-österreichische Iranpolitik, die Iran mit allen diplomatischen und wirtschaftlichen Mitteln näher als je zuvor an die Atombombe brachte, auf zwei Wege zu deuten. Erstens hält er durchaus Naivität für möglich. Zweitens erwägt er pure Interessenspolitik. Im Bündnis mit einer antizipierten Atommacht Iran kann Deutschland und Österreich nur gewinnen: erstens ökonomisch und zweitens politisch: Im Falle einer atomaren Bewaffnung wären die Verträge mit einer nunmehr mächtigen und unangreifbaren Ölmacht geritzt. Im Falle einer militärischen Intervention durch die USA könnte Deutschland ein weiteres Mal sich als Friedensmacht aufspielen und politisch Kapital schlagen. (203) Hier findet Küntzel für meinen Teil etwas wenig Raum, um die Wirkungsmacht deutscher Friedensideologie nachzuzeichnen, die über Fischer in Iran ein Experimentierfeld sah, auf dem die Planspiele der Konfliktforschung Wirklichkeit werden sollten – wie Küntzel richtig bemerkt, war ein Hauptinteresse, eine „Anti-Irak-Politik“ zu verkaufen. Diese allerdings, und das ist das wahrhaft perfide, hat ein völlig instrumentelles Verhältnis zur Israelfrage eingenommen und in der absoluten Loslösung von der Realität ein Wunschsystem geschaffen, das jeden Ausgang der Gespräche sich wahnhaft als Gewinn umdeutet, um so den narzisstischen Bonus – die Bestätigung der eigenen moralischen und methodischen Überlegenheit – einzufahren.

Thomas Becker begibt sich in „Die Wiederkehr des Führers – Als der iranische Präsident die Deutschen für eine historische Mission begeistern wollte“ tief in die Geschichte deutsch-iranischer Bündnispolitik. Von Bismark über die Schahs und den Nationalsozialismus bis hin der Wiederbelebung deutsch-iranischer Beziehungen durch Genscher und Kinkel zieht sich eine Linie zu dem Brief Ahmadinedschads an die Deutschen, der an deren Bedürfnis nach Entschuldung und Holocaustrelativierung anschließt.

Stephan Grigat, Florian Ruttner und Farideh Azadieh leisten daran anschließend eine Aufarbeitung der Geschichte der Österreichischen Mineralölverwaltung (OMV), die im zweiten Weltkrieg erstarkte und danach in Kooperation mit Libyen und zuletzt Iran zu voller Größe mit einem Volumen von 22 Mrd. Euro anwuchs. Die österreichische Politik in fast ausnahmsloser Gänze stellen sie als erschütternd regressiv dar: Man schreckt bei der Sympathie mit den verlockenden Möglichkeiten weiterer Deals mit den Mullahs vor Partizipation an deren Ideologie nicht zurück, diskreditiert die amerikanischen Bemühungen um tragfähige Wirtschaftssanktionen als Imperialismus und leugnet jede moralische Verpflichtung.

Andreas Benl schließt an Küntzel an mit „Delegierte Regression – Der europäische Kulturrelativismus: Eine Form der Kollaboration mit dem Islamismus“. Er belegt in Zitaten die Kollaboration pseudofeministischer Autorinnen, die sich den Schleier zum emanzipatorischen Medium zurechtlügen. Die Sakralisierung des Antirassismus sieht Benl zufolge von jeglichen Spezifika der Geschichte des Rassismus ab und ermöglicht so dem Islam, sich als eigene Kultur einzurichten, die den Kulturrelativisten zufolge respektiert werden müsse.

Justus Wertmüller definiert in „Religion der Befreiung – Der Islam als Erweckungsbewegung“ den Islam als autoritäre Fortsetzung esoterischer Sinnsuche. „Islam: einfach mal loslassen, so könnte ein Werbespruch aussehen. Loslassen vom Ich und hineinplumpsen in die autoritäre Gemeinschaft.“ (250) Äußerst anschlussfähig an die Linke erweist sich für Wertmüller der Islam durch seine im Prinzip „basisdemokratische“ Ausrichtung, die zugleich das Private als „gemeinschaftsstörende Unkultur“ verfolgt. Sein Fazit ist, der Kampf gegen den Islamismus sei nicht mit dem Rekurs auf sogenannte westliche Werte und dennoch dezidiert westlich zu führen, indem auf (uneingelöste) Versprechungen des Kapitalismus in Überfluss, Luxus, Individualität und das Recht auf Vereinzelung beharrt wird. (257)

Simone Dinah Hartmann kommt bei der Fragestellung „Was tun mit den Europäern?“ zu der interessanten Überlegung, es könne durchaus Unwissenheit ein Grund für die verbreitete antiisraelische Haltung der deutschen Öffentlichkeit sein. Aktionistisch wäre sich an solche desinformierte Menschen zu richten. Zwischen dem klassischen Antisemitismus und dem islamischen sieht sie einen Unterschied: Ersterer hat nur einen Feind beschworen, letzterer bietet darüber hinaus einen akribisch durchgeplanten Alltag mit Handlungsanweisungen, eine nicht nur negativ, sondern auch positiv bestimmte Dystopie. (260)

Kazem Moussavis Beitrag „Europa, Israel und die iranische Opposition“ liest sich wie ein Parteigründungsmanifest. Seine Vorstellung der „Grünen Partei des Iran“ ist an iranische Exilanten gerichtet und beharrt, will diese Partei erfolgreich sein, auf dem Primat einer Solidarität mit dem, was die iranischen Mullahs zum Hauptfeind erklärten: Israel. Darüber hinaus wehrt er sich gegen Zumutungen im Exil, sei es von iranischen Verfolgern oder von europäischen Kollaborateuren, die Oppositionelle noch als Terroristen einstufen.

Hiwa Bahrami schlägt abschließend einige Bündnispartner für emanzipatorische Bestrebungen vor und schließt andere, allen voran die sogenannten Reformer innerhalb der von den Mullahs beherrschten Fraktionen aus.

Das Buch schließt ab mit Grußworten von Raimund Fastenbauer, Beate Klarsfeld, Arie Talmi, Wolfgang Neugebauer, Elisabeth Pittermann und Benny Morris.

Ein solches Werk ist kaum nach Stil und Form zu beurteilen. Das würde den brisanten politischen Kontext zum Diminutiv degradieren. Lobende Worte über den in der Tat hervorragenden Stil, die nachvollziehbare Vielfalt und die ausgezeichnet abgestimmte Kohärenz der Beiträge können angesichts der Thematik nur Floskel bleiben. Als kritisch-theoretisches Unterfangen ist die Lektüre untrennbar vermittelt mit Praxis: das lesende Individuum wird gezwungen, sich zu dieser real existente Drohung zu verhalten. Entweder, indem es sich irgend gegen sie engagiert und positioniert. Oder indem es sich in untätigem Verharren oder Leugnen einrichtet und damit Kollaboration mit dem größten derzeit geplanten Verbrechen gegen die Menschlichkeit begeht.

4.5.08 13:45
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Doc Holliday (4.5.08 20:49)
Ahmadinejad hat jetzt öffentlich Natanz besucht. Ein paar Fotos von den Anlagen wurden veröffentlicht und der Verteidigungsminister war auch dabei. http://www.nytimes.com/2008/04/29/science/29nuke.html
http://www.iht.com/articles/2008/04/29/mideast/nukes.php


Doc Holliday (4.5.08 21:08)
In Deutschland scheint das absolut kein Medienecho hervorgerufen zu haben.
http://news.google.de/news?hl=de&q=natanz
bringt nichts, faz hat nichts, spiegel hat nichts etc.


Serdar Günes / Website (7.5.08 19:29)
Ich glaub ich muss mir das Buch mal besorgen, klingt interessant. Rezi klingt recht interessant.

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