Startseite
    Antiamerikanismus
    Antisemitismus
    Islamismus
    Verwaltete Welt
    Kulturindustrie
    Rassismus
    Aberglaube
    Kulturalismus
    Make a wish
  Über...
  Archiv
  African Islamism
  Gesammelte Werke
  Texte
  African witch-hunts
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Sofakunst
   Wikipedia
   Fremdwörter-Lexikon
   Marx-Engels-Werke
   Asia Times
   This is Zimbabwe
   
   Achse des Guten
   adf
   africa daily
   african studies quarterly
   african sun news
   aftershow
   against
   allafrica.com
   Antibürokratieteam
   Arabs for Israel
   Jaegerzaun
   Atlas Shrugs
   Bad Blog
   Bahamas
   What is witchcraft?
   Botschaft Israels
   ca ira Verlag
   unterdemstrich
   Camera
   classless
   ChinaDaily
   Die Jüdische
   Dissidenz
   Emma
   e pluribus unum
   Ex-Blond
   EYEontheUN
   FdoG
   Frontierpost Pakistan
   Fuchsbau
   Gripsiltis
   Haaretz.com
   Hadith Database
   honestly concerned
   Iranfocus
   iraqui bloggers central
   israel defence force
   Israel News Infolive
   Israpundit
   Ivison
   Jerusalem Post
   John Cox
   kaffe ohne sahne
   Karwan Baschi
   LittleGreenFootballs
   lizas welt
   maedchenblog
   Matthias Küntzel
   MEMRI
   Middle East Info
   myissue
   nada
   No Blood for Sauerkraut!
   planethop
   prodomo
   sandmonkey
   sozioproktologe
   spirit of entebbe
   starblog
   Telegehirn
   tous et rien
   ugly dresden
   unkultur
   WADI
   weapons of modern democracy
   western resistance
   Wind in the Wires

kostenloser Counter

Webnews



http://myblog.de/nichtidentisches

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Get Work or die tryin' it!

Jean-Francois Millet: "Les Glaneuses"
 
"Früh in der Kindheit sah ich die ersten Schneeschaufler in dünnen schäbigen Kleidern. Auf meine Frage wurde mir geantwortet, das seien Männer ohne Arbeit, denen man diese Beschäftigung gäbe, damit sie sich ihr Brot verdienten. Recht geschieht ihnen, daß sie Schnee schaufeln müssen, rief ich wütend aus, um sogleich fassungslos zu weinen." 
Theodor W. Adorno, 'Minima Moralia': "Monogramme"
 
Ein Statut Edwards des 6. im England des 16. Jahrhunderts verordnete Folgendes:
"[...] wenn jemand zu arbeiten weigert, soll er als Sklave der Person zugeteilt werden, die ihn als Müßiggänger denunziert hat. Der Meister soll seinen Sklaven mit Brot und Wasser nähren, schwachem Getränk und solchen Fleischabfällen, wie ihm passend dünkt. Er hat das Recht, ihn zu jeder auch noch so eklen Arbeit durch Auspeitschung und Ankettung zu treiben. Wenn sich der Sklave für 14 Tage entfernt, ist er zur Sklaverei auf Lebenszeit verurteilt und soll auf Stirn oder Backen mit dem Buchstaben S gebrandmarkt, und wenn er zum drittenmal fortläuft, als Staatsverräter hingerichtet werden. [...] Friedensrichter sollen auf Information des Kerls nachspüren. Findet sich, daß ein Herumstreicher drei Tage gelungert hat, so soll er nach seinem Geburtsort gebracht, mit rotglühenden Eisen auf die Brust mit dem Zeichen V gebrandmarkt, und dort in Ketten auf der Straße oder zu sonstigen Diensten verwandt werden."
(Karl Marx, Das Kapital: Die ursprüngliche Akkumulation. S. 763)
 
Das Marburger Kreisjobcenter, gelobt vom Grünen Karsten McGovern, ist unendlich humaner: Hier droht man lediglich den Leistungsentzug an, die ökonomische Peitsche soll die Herumtreiber und prospektiven Sklaven vorerst noch ohne polizeilichen Zwang zu stupidesten und nutzlosesten Tätigkeiten verpflichten. Fürderhin sollen Arbeitslose vom ersten Tag an in eigens neu eingerichteten Räumen gezwungen werden, an 4 Tagen in der Woche sich für 3,5 Stunden einzufinden, um unter Bewachung nach Arbeitsmöglichkeiten zu recherchieren. Als Schmankerl darf man in der "Jobakademie" kostenlos Bewerbungsunterlagen und Porto verwenden (natürlich nicht, um sich auf Stipendien oder ähnlichen Humbug zu bewerben) und ein mobiles Fotostudio sorgt für garantiert freundliche Bewerbungsbilder.
 
Noch als Menschlichkeit wird da das faschistoide Perhorreszieren des Reichsarbeitsdienstes verkauft. Gesellschaft bildet sich zuletzt noch etwas darauf ein, die leben zu lassen, die sich nach ihrem Bild sich zähneknirschend richten. Was einst als Errungenschaft des Humanismus galt, einen Menschen ungeachtet seiner Beschaffenheit nicht verhungern zu lassen, wird zum altbackenen Luxus erklärt. Der Zweck des ALG II ist nicht mehr, Menschen das Leben zu ermöglichen, sondern ihren einzigen Lebenszweck auf Arbeit auszurichten. Die solcherarts in die Zwangsarbeit gepeitschten Massen werden letztlich grausam gewahr, dass diese Gesellschaft nie ein Ort der Humanität ist, sondern dass im kalt lächelnden Antlitz des Fallmanagers die wählende Volksgemeinschaft verdinglicht erscheint, die nur darauf wartet, die endlich zu exekutieren, die noch an ein mögliches Jenseits vom Aufgehens in Arbeit um ihrer selbst willen erinnern. Emanzipation setzt sich daraus nicht frei: Eher gliedern sich die Betroffenen noch schaudernd ein, machen sich dem gleich, was sie bedroht und kanalisieren ihre Wut auf andere Ventile: Rassismus, Volksgemeinschaft, Antisemitismus.
 
Welchen Sinn es haben soll, künftig 16 Stunden pro Woche ohne Entgelt diesem deutschen Streben Genüge zu tun, verdeutlicht Ideengeber Dick Vink in der Tautologie, die das moderne Leben in all seiner Armut bloßstellt: "Ihr Job ist es, einen Job zu finden." Der Antisemit Wagner fasste seinerzeits seinen Begriff vom Deutschsein ähnlich zusammen: Deutsch sei, "eine Sache um ihrer selbst willen zu tun." Dazu will man den "Kunden", sprich Sklaven, "gut kennen", sprich entgegen allen datenschutzrechtlichen Bedenken durchleuchten bis aufs Kauf- und Beischlafverhalten. Wer sich dem Schwachsinn nicht fügt, wird zum Hungern angezählt. Die sich masochistisch mit der falsch beschaffenen Arbeitsverhältnissen identifizieren, erklären frech die Arbeitsscheuen für falsch beschaffen und sich selbst für normal und gesund. Das falsche Ganze zu ändern war man stets zu faul und so agiert sich der das gutheißende antiliberale Volkszorn an den Schwächsten aus, die nun immerhin wissen, dass der Staat ihnen nicht wohlgesonnen sein kann. Statt die Formulare bis ins letzte Glied auszufüllen, sollte man sich angesichts solcher Zeichen an der Wand seines Reisepasses vergewissern und die Kontakte ins Ausland gründlich pflegen.
8.12.07 11:10
 


Werbung


bisher 40 Kommentar(e)     TrackBack-URL


dissi / Website (8.12.07 14:27)
ich gebe kudos oder wie das heißt.
und bin aus ähnlichen gründen für das bedingungslose grundeinkommen oder existenzgeld, lasse mich davon auch weder von pds, grünen oder superreichen anthroposophen abbringen, die den gedanken der von dir gemeinten humanität ihrerseits wieder mit unsympathischen vorstellungen verwässern.
arbeit sollte behandelt werden wie im besten fall sex, religion oder drogen. als privatangelegenheit, wo die präferenz, die zumutbarkeitskriterien oder das (des)interesse frei entscheidbar sind. natürlich darf man sich prostituieren oder fixen oder patriachalen göttern huldigen. aber es muss auch die möglichkeit bestehen, eine persönliche kosten/nutzen-rechnung darüber aufzustellen, die die existenz nicht verunmöglicht.


Martin Bongards (8.12.07 16:56)
Hallo!
Die Formulierung "sondern dass im kalt lächelnden Antlitz des Fallmanagers die wählende Volksgemeinschaft verdinglicht erscheint, die nur darauf wartet, die endlich zu exekutieren,..."
ist einfach großartig. Besonders hervorzuheben ist, dass sie zugleich Angstbeißer sind. Angst schlicht davor, auf der anderen Seite des Schreibtisches zu sitzen; Angst aus dem Wissen der eigenen Überflüssigkeit für die Verwertung.
Das Grundeinkommen ist da keine Lösung, es ist der Wunsch nach einer Revolution von oben, denn es setzt auf den Staat. Real heute umgesetzt wäre es ein Kombilohnmodell.
Nun, gehe selber empirischer vor. Schlussfolgerungen finden sich eher am Ende der Texte:
http://www.bongards.gmxhome.de/berate.html
http://www.bongards.gmxhome.de/tool.html
http://www.bongards.gmxhome.de/preis.html
Gruß


nichtidentisches / Website (8.12.07 17:59)
Hi
Danke für die verlinkten Texte. Dennoch würde ich die Fallmanager, so trostlos ihre im individuellen Fall wohl merkwürdige Mischung aus Ekel und Eifer auch sein mag, nicht als überflüssig für die Vewertung erklären.
Das geht doch auch aus deinen Texten nicht hervor?
Sie sind wie alle Bürokraten Charaktermasken des Verwertungszwecks selbst und sehr sicher haben sie reichlich Angst davor, einmal dem, was sie selbst perpetuieren ausgesetzt zu sein. Darin sind sie allerdings meines Erachtens eher zu bemitleiden als individuell zu belangen. Inwieweit die KJCs tatsächlich ein Racket für sich mit einer eigenen Ideologie sind, wage ich nicht zu beurteilen. Sehr sicher sind sie nur Ausgeburt dessen, was die neidbeißerische Durchschnittsbevölkerung sich wünscht.


nichtidentisches / Website (8.12.07 18:22)
Auch empfehlenswert in Bahamas 45/2004, Karl Nele und Uli Krug:
"Verstaatlichung und Arbeitskraft - Hartz 4 und die Kontinutiät deutscher Krisenbewältigung."


Martin Bongards (8.12.07 20:33)
Hallo,
ich meine damit, und bin nicht als erster drauf gekommen, dieses Grundgefühl der verschärften Abhängigkeit, eben die ständige Bedrohung zu den Überflüssigen gestoßen zu werden, als eine gesellschaftliche Konstante. Halte dies für einen ganz wesentlichen Grund für die Aggressivität, die geselschaftlichen Außenseitern entgegenschlägt.

Im konkreten Fall, den Fallmanagern des KJC, ist die Funktion unentbehrlich, das Personal eben nicht. Es wird auch regelmäßig ausgetauscht und ständig unter Druck gesetzt.

Bis zu dem Tag an dem ich dies live, und dann auch noch in der Bauernvariante, erleben "durfte", hatte ich die Bezeichnung "racket" für verkürzt und teilweise untauglich gehalten. Doch dann kamen die hiesigen Grünen und bemächtigten sich lokal der Intrumente der Arbeitsmarktpolitik. Spalten wir Haare?
Gruß


nichtidentisches / Website (9.12.07 00:52)
Das ist ja interessant, dass die Grünen da so explizit drinhängen, nun gut, die Marburger Grünen waren eh schon immer recht eigentlich.
Beim Rest gehe ich ganz d'accord.
Bis dahin


Frank (9.12.07 08:48)
Zuallererst einmal sind arbeitslose auch keine besseren Menschen. Die, „die noch an ein mögliches Jenseits vom Aufgehens in Arbeit um ihrer selbst willen erinnern“, mag es geben, die Mehrheit aber wird schlicht nicht gebraucht.
Beides, das Sorgen der Volksgemeinschaft für ihre Schwachen, sowie deren Gängelung durch unsinnige Tätigkeiten ist Deutsche Ideologie. Die Fetischisierung deutscher Arbeit als Gegensatz zum „jüdischen“ Geist ist hier gar nicht einmal entscheidend. Die eigentlich überflüssigen müssen trotzdem arbeiten, um denen, die ihre Arbeitskraft noch an den Mann bringen können, zu bescheinigen dass sie auch zukünftig noch gebraucht werden. Also um ihre eigene potentielle Überflüssigkeit zu verleugnen. Es gibt noch einen zweiten Grund. In der Jungle World stand mal, dass „die Löhne schneller sinken als das Arbeitslosengeld“. Selbst von Hartz 4 lässt sich nämlich im Grunde recht gut leben. Nicht schlechter zumindest als wenn man sich versucht mit 400 Euro Jobs über Wasser zu halten. Da der deutsche Staat, als antikapitalistischer, bestrebt ist, seine Angehörigen vor dem Kapital in Schutz zu nehmen, kann er nicht wie z.B. in den USA, einen Arbeitslosen mehr oder weniger sich selbst überlassen, sondern übernimmt die Bestreitung des Lebensunterhaltes. Aber auch ein antikapitalistischer Staat ist den Wertgesetzten unterworfen. Deshalb muss er die, die er in seine Obhut nimmt demütigen, um andere dazu anzuhalten lieber doch einen Niedriglohnjob anzunehmen.


nichtidentisches / Website (9.12.07 11:47)
??? Der erste Teil geht ja noch, aber wann und wo genau war der deutsche Staat antikapitalistisch? Und wie es sich von einem restlos abgekürzten Sozialgeld leben lassen soll, das man noch auf eigene Kosten für die Anfahrt aus dem Hinterland abholen soll, das kannst du mir ja an einem Rechenbeispiel erklären. Wer das noch leben schimpft...
Genau darum geht es allerdings im Kern tatsächlich: Weil die Menschen in ihren elenden Lohnverhältnissen stecken, akzeptieren sie und fordern sie, dass es anderen jetzt doch gefälligst auch noch schlechter gehen soll. Das permanente Trietzen der ALGII-ler trägt damit erheblich zum öffentlichen Frieden bei. Andernfalls könnten die Leute ja auf die Idee kommen, zu streiken, für mehr Lohn gar. So allerdings machen sie sich selbst vor, dass es noch elender gehen kann und sie mit ihren Doppelarbeitsplätzen in denen sie bei Vollarbeit kaum 900 Euro pro Monat verdienen, noch glücklich dran seien.


Doc Holiday (9.12.07 11:48)
1. Die Überflüssigkeit besteht darin, daß es auf den Einzelnen und seine
individuellen Eigenschaften und Fähigkeiten nicht ankommt, er vielmehr
jederzeit durch einen beliebigen anderen ersetzt werden könnte und diese
Ersetzung auch jederzeit in großem Stil problemlos stattfinden könnte und
tatsächlich stattfindet. In diesem Sinne ist auch die werktätige
Bevölkerung virtuell überflüssig. Ob ich den Job bekomme oder nicht ist so
zufällig wie die Entscheidung, bei Aldi oder bei Lidl einzukaufen.

2. An ein "Jenseits vom Aufgehens in Arbeit um ihrer selbst willen" zu
erinnern ist eine objektive Funktion. Ob Florida-Rolf in der Hoffnung auf
eine Beschäftigung als Schneeschaufler nach Florida gegangen ist, spielt
keine Rolle. Vielmehr spielt er objektiv die Rolle desjenigen, der andere
an etwas erinnert. Der Grund dafür ist nicht bei ihm, sondern bei den
anderen zu suchen.

3. Die ursprüngliche Akkumulation ist seit längerer Zeit beendet. Daher
ist ein Rückgriff auf unmittelbaren Zwang zunächst nicht mehr notwendig.
Dieser kehrt allerdings in bedingter Form mit der Alimentierung wieder
zurück, da diese ein Resultat der ursprünglichen Akkumulation - den
doppelt freien Arbeiter - wieder zurücknimmt.
Solange diese Alimentierung an Bedingungen geknüpft ist und wiederum auf
der freiwilligen Zustimmung des Hilfsempfängers beruht, kann der damit
verbundene Zwang auch ein bedingter bleiben (Drohung mit Entzug der
Leistungen).
Wenn die unbedingte Einordnung eines jeden - nicht Sorge um ihn sondern
Einordnung als Bedingung für das Funktionieren des Staates - als
"Maßnahme" erzwungen wird, kehrt offenbar gleichzeitig die direkte Gewalt
gegen Abweichler zurück.

Damit es nicht wieder heißt, man gehe hier zum lachen in den Keller,
hierzu ein Witz aus dem 3. Reich:

"In Deutschland darf niemand hungern und frieren!
- Und wer es doch tut, kommt ins KZ."


nichtidentisches / Website (9.12.07 14:32)
Hi Frank, nochmal nachgedacht:
In den USA kann der Staat die Pauperisierten nur deshalb sich selbst überlassen, weil es ein engmaschiges Netz der privaten philanthropischen Einrichtungen gibt, Suppenküchen, etc. Dort engagiert sich im Ideal die Privatperson für die Armen, spendet der Kapitalist einen Teil des Surplus an die Reservearmee und das Lumpenproletariat. Und selbst die Studiengebühren kann man mit der hohen Gewissheit auf einen Job abdrücken, oder weiß zumindest, dass sie in der Lehre als ausgezeichnete Betreuung auch ankommen.
In Deutschland gibt es zwar gemeinnützige Einrichtungen wie die Tafel, jedoch wird das im Vorausdenken bereits in die Staatsräson eingemeindet und sofort integriert, staatlich gefördert und bei Bedarf gestrichen. Aus der Forderung, der Staat solle das Elend verwalten, erfolgt Verdummung der Privatpersonen, die sich weder organisieren müssen, noch Almosen oder Spenden investieren. Armut als notwendiges Produkt des Kapitalismus wird schlichtweg als bürokratisch zu regelnde Lappalie begriffen, bei der Stellschrauben das soziale Ganze in Fugen halten sollen. Was das Vorgehen fürs Individuum bewirkt, bleibt beim Primat der funktionierenden Volksgemeinschaft außen vor.


Frank (10.12.07 10:55)
So gerne ich auch in die USA auswandern möchte. Eines ist klar, ich möchte dort nicht arm sein. Wer schon einmal einen 70 Jährigen Mann als Wagenzusammenschieber vorm Wallmart gesehen hat, weis wovon ich rede. Charity hin oder her.
Man hat die Wahl zwischen der kalten Wirklichkeit wie in den USA oder einem antikapitalistischen Volkssozialstaat der seine Einwohner vor eben diesen „amerikanischen“ (oder schon jüdischen) Verhältnissen in Schutz zu nehmen versucht und dabei dass Kapital „negativ aufhebt“, also die immerhin abstrakte Herrschaft des Wertes durch persönliche Abhängigkeiten (des Einzelnen von der Masse) ersetzt. Dazwischen kann es nichts geben. Das Schicksal der Menschen ist in beiden Fällen Konjunkturabhängig. Dies ist offensichtlich in den USA. Aber auch hierzulande lässt sich dass zeigen. Läuft die Produktion des Mehrwerts einigermaßen, versorgt der Staat seine Schutzbefohlenen mit sicheren Verwaltungsjobs, Stellen im akademischen Betrieb und ähnlichem oder veranlasst dass sie in Unternehmen als quasi verbeamtete Angestellte zu mehr als vorteilhaften Bedingungen unterkommen. So geschehen in den 70er Jahren. Läuft es dagegen nicht so gut, dann werden die Überflüssigen zu vom Staat angestellten Arbeitslosen, die für ihren Lebensunterhalt im Zweifelsfall vollkommen sinnlose Tätigkeiten durchführen müssen.


nichtidentisches / Website (10.12.07 11:51)
Und genau das ist die Frage: Ist das wirklich als kalte Rationalität des ideellen Gesamtkapitalisten zu fassen? Ich denke nicht, dass es nur von der Mehrwertproduktion abhängt, sondern in Deutschland vor allem ein ideologisches Problem ist. Egal wie gut es läuft, der Lohn ist immer auch eine Antwort auf den Emanzipationsgrad der Arbeiter, d.h. auch wenn es brummt werden dummen Arbeitern die Löhne gekürzt.
Ebenso mit Hartz 4: Wenn der Volkszorn mal eben wieder Mucken macht, oder sich ein paar von jeglicher Erfahrung abgetrennte Positivisten einen Vortrag von einem Arbeitsmarktesoteriker angehört haben, und an den entsprechenden Schaltstellen sitzen, wird eben mal versuchsweise ausprobiert, was man alles machen kann, damit Leute arbeiten. Auch ohne akute Krise.
Nationalökonomisch ist das Ganze ein Desaster: Laut taz mussten mit Hartz4 über 1/3 neue Richter eingestellt werden, weil die Fallmanager komplett unterausgebildet sind und die Einzelfallsprüfung immer öfter der Richter übernehmen muss.
Zu kritisieren ist deutsche Ideologie, die freilich an Fetischformen rückgekoppelt ist, jedoch nicht darin aufgeht.


Frank (10.12.07 16:14)
Selbstverständlich ist der deutsche Sozialstaat ein Produkt der deutschen Ideologie und hat nichts mit einem „rationellen Gesamtkapitalisten“ zu tun. Deswegen ist es auch kein Widerspruch dass es viel ökonomischer wäre Hartz IV Empfänger einfach in Ruhe zu lassen, anstatt sie mit sinnlosen Tätigkeiten und Fortbildungen zu triezen. Dennoch ist die konkrete Ausgestaltung der Maßnahmen u.a. vom Füllungsgrad der Staatskasse abhängig. In den 70er Jahren, als Geld da war, wurden eben für eine Verwaltungstätigkeit, die eigentlicher einer hätte machen können, zwei Leute eingestellt und dass mit vollem Lohn und Beamtenstatus. Jetzt wo kein Geld da ist fällt die Beschäftigungsmaßnahme eben ein paar Nummern kleiner aus und ist offensichtlich sinnlos, im Grunde war sie das aber auch schon früher.


Frank (10.12.07 16:15)
Man kann es nicht deutlich genug betonen. Das deutsche Paradies der Werktätigen, das in den 60er und 70er Jahren errichtet wurde, hat überhaupt nichts mit „Klassenkampf“ oder dergleichen zu tun. Wie soll dass auch sein, nach 15 Jahren echter Volksgemeinschaft? Der deutsche Sozialstaat und die fast paradiesischen Bedingungen unter denen das Volk fleißig produzierte, waren nur die Fortsetzung dieser Volksgemeinschaft unter neuem Namen. Soziale Marktwirtschaft und Nationaler Sozialismus, zwei „dritte Wege“ jenseits von Kapitalismus und Kommunismus. Dem Sozialstaat samt seiner zweifelhaften Annehmlichkeiten wäre also keine Träne nachzuweinen, sollte er verschwinden. Aber dass wird nicht passieren, was wir derzeit erleben ist schlicht eine Anpassung an die geänderte Weltmarktlage.


nichtidentisches / Website (10.12.07 16:57)
So ganz verstehe ich das Ganze nicht, muss ich ehrlich zugeben.
Das Problem ist m.e. eines der Ideologie. Wenn das Sozialsystem mit dem Anspruch eingelöst wird, die Individuen zu vergemeinschaften und den amerikanischen Zuständen ein Schnippchen zu schlagen, so ist dagegen zu protestieren. Ein Sozialsystem, das mit humanistischer Begründung von bürgerlichen Interessensgruppen aufrechterhalten wird, scheint mir dagegen ungleich sympathischer und überhaupt nicht unmöglich. Wer allerdings behaupten würde, das sei dann krisenfreier Kapitalismus wäre bereits wieder in der Ideologie angelangt.
Und die ideologische Frontstellung Kapital vs. Staat ist im Grundeinkommen natürlich gegeben, dennoch hätte ich gerne meine 600€ im Monat, ohne dafür noch 16 Stunde pro Woche den Larry zu machen und 3-tägige Abwesenheiten zu beantragen, einfach weil ich ein Mensch bin, der das aufgrund seiner Existenz verdient hat. Ein Widerspruch, wie zu erwarten. Den ich nicht auf meine Kosten verkleistert wissen möchte.


nichtidentisches / Website (10.12.07 16:58)
Hach, ich sehs schon kommen: Ich werd mich doch einlesen müssen in die Thematik.


Frank (11.12.07 16:40)
Apropos Soziale Marktwirtschaft. Der Spiegel hat gerade ein „Gier-Virus“ entdeckt, das die „Wirtschaftselite“ infiziert haben soll. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,522576,00.html

Im Artikel wird sich darüber beklagt, dass die Manager ihr Gehalt ohne vorherige Volksbefragung festsetzen und gewarnt dass „sich etwas aufgestaut hat im Lande gegen sie und ihre nonchalante Selbstbedienung“.
Die Überschrift macht aber auf erschreckende Weise klar, was die Stunde geschlagen hat. Offensichtlich ist für einen Deutschen, der Wunsch, ungeachtet der Situation und dem Dafürhalten anderer, in Luxus leben zu wollen, nur als ansteckende Krankheit vorstellbar. Der Ruf nach Hygienemaßnahmen ist darin schon enthalten.


Myblog Support (11.12.07 18:18)
test


nichtidentisches / Website (12.12.07 13:18)
Naja. Wenn man gewahr ist, dass das Managergehalt sich nicht in Qualität der Arbeit, sondern nur in Quantität der Summe unterscheidet, ist nur logisch, dass Leute, die ihre Arbeitskraft zu einem Hungerlohn verscheuern müssen, auf den dort verpulverten Mehrwert schielen. Das hat mit Kapitalkonzentration wenig zu tun, sondern ist mit dem Surplusanteil gleichzusetzen, der zur Repräsentation der Bourgeoisie, wenn man noch von solcher sprechen mag, notwendig zu sein scheint. Dieser eher symbolische Wettbewerb ist natürlich über feudale Sehnsüchte beider Seiten rückgekoppelt, aber er bleibt kein notgedrungener.
Man darf sich da tatsächlich nicht von jedem Palaver der Kapitalsverwalter blind machen lassen. Das hat mit "Sehnsucht nach Reichtum und Luxus" nur noch wenig zu tun, weil dieser auf deren Seite schon längst erfüllt ist. Auch die kalte Rationalität des Wettbewerbs kann sich kaum sehen lassen, denn sogenannte "Führungskräfte" sind kaum derart Mangelware, dass man sie für diese irren Summen halten müsste.
Da würde ich noch nicht von Neiddebatte sprechen, die eher nach unten zielt, das sind vielmehr notwendige Konflikte, Klassenkampf.


nichtidentisches / Website (12.12.07 13:19)
Klassenkampf natürlich als Existenzbedingung der bürgerlichen Gesellschaft zu denken, nicht als Endzeitpathos der Maoisten.
Zu kritisieren ist neben der Biologisierung vor allem, dass Manager in ihrer Funktion als "notwendige Kaste" betrachtet werden, deren Qualifikation sich wesentlich von der eines Vorarbeiters unterscheide. Und warum vorsorgende Selbstkontrolle gefordert wird, und nicht Klassenkampf. Gänzlich unappetitlich wird der Lobgesang an alte Helden und Führer:
"Möglicherweise wäre doch etwas Besinnung eingekehrt, wenn es eine Figur gäbe, die mit gewachsener Autorität zur Ordnung gerufen hätte, hinter dem Vorhang natürlich. Eine solche Persönlichkeit aber fehlt derzeit in der deutschen Wirtschaft." Und "Führungskräfte ohne Führung" bereitet in der Tat die faschistische Ideologie vor, wenn dieser Konflikt nur noch als übergeordnet autoritär regelbar betrachtet wird und nicht mehr über die emanzipatorische Tat der Arbeitenden eingefordert wird.
Du vergisst bei deiner Weichzeichnung der 70-er als "Volksgemeinschaft" übrigens die Migrantenghettos und Straßenschlachten, die massiven Streikbewegungen, die damals stattfanden. Noch in den 90-ern hätte eine Streichung des Weihnachtsgeldes, wie es bei Ärzten stattfindet, bei den Metallern für einen mittleren Bürgerkrieg gesorgt.


Frank (12.12.07 14:19)
Deine Arbeiterromantik ist lächerlich. Erinnere dich bitte daran, in welchem Land du lebst. 25 Jahre vor den „Streikbewegungen“ kämpften dieselben Arbeiter für ganz was anderes als höhere Löhne.


nichtidentisches / Website (12.12.07 15:52)
So what?
Das ändert nichts am objektiven Sachverhalt: Der Wert der Ware Arbeitskraft wird nicht zuletzt im Konflikt ausgehandelt und eingefordert. Unabhängig jeder Ideologie. Das ist noch keine Aussage über irgendeine Beschaffenheit der jeweiligen Organisationen.
Ich weiß sehr gut, dass die KPD noch 1948 die Verbringung von Arbeitsscheuen in Arbeitslager forderte. Wie viele Streiks fanden auf der ganzen Welt zur gleichen Zeit statt?
Wer irgend im Lohnverhältnis, das leider für viele Leute eine Realität ist, und nicht ein abstrakter Theoriegegenstand, zu seinem individuellen Recht kommen möchte, muss sich dahingehend organisieren und regelmäßig in Konflikt zu den abstrakten Kräften treten, die gegen seine Interessen agieren.
Wenn das Arbeiterromantik sein soll, dann hätte ich gerne einmal eine Definition des Begriffs Romantik. Dass Gewerkschaften in Deutschland hinter dem Mond leben, keine Frage. Dass Gewerkschaften und wilde Streiks notwendig sind, um die schlimmsten Zumutungen des Kapitalverhältnisses abzuwenden, ist banal und nicht weiter romantisch.


nichtidentisches / Website (12.12.07 15:55)
Der Weg vom Kritiker des Proletariats zum Apologeten der Verhältnisse ist ein kurzer und wird massiv beschleunigt durch den Drang, sich mit den übermächtigen Verhältnissen zu identifizieren, weil für eine konsequente dialektische Kritik kein Raum bleibt. Kann man irgendwo in der Minima Moralia auch aus den Worten eines berufenen Philosophen hören, wenn man nicht von selber drauf kommt.


(12.12.07 18:21)
Du zeigst dass es auch andersherum geht; vom Kritiker der Verhältnisse zum Apologeten des Proletariats.

„Wer irgend im Lohnverhältnis, das leider für viele Leute eine Realität ist, und nicht ein abstrakter Theoriegegenstand, zu seinem individuellen Recht kommen möchte, muss sich dahingehend organisieren und regelmäßig in Konflikt zu den abstrakten Kräften treten, die gegen seine Interessen agieren.“


(12.12.07 18:21)
In Sätzen wie diesen liegt deine Romantik. Das hört sich an wie aus einem Theoriezirkular des 19.Jhd., als noch die Möglichkeit bestand das wenigstens ein paar Arbeiter das Kapital lesen und verstehen würden. Begriffe wie „Lohnverhältnis“, „individuelles Recht“ etc. existieren nicht für den einfachen Mann von der Straße. Für ihn verkommen sie zu dem Gefühl ständig „belogen und betrogen“ zu werden. Allein schon der Begriff „organisieren“! Spätestens seit Auschwitz sollte klar sein dass die einzige Organisationsform der Massen die Bande bzw. das Volk ist. Und spätestens seit Auschwitz sollte klar sein, wie diese Massen dann „in Konflikt zu den abstrakten Kräften treten“, die sie nämlich in den Juden wiederkennen.


(12.12.07 18:25)
die letzten beiden Posts stammen von mir, Frank.


Doc Holliday (13.12.07 14:25)
Nicht wirklich OT:
Es ist eine neue Heitmeyer-Studie erschienen, deren Fokus mir recht interessant erscheint.
http://www.tagesschau.de/inland/studielangzeitarbeitslose2.html


nichtidentisches / Website (13.12.07 20:25)
Hui, Frank. Mal langsam mit die jungen Ponys.
Zunächst mal die Antithese: Der "einfache Mann auf der Straße" wird belogen und betrogen. Trotz Äquivalententausch. Schlimme Sache, wenn die Löhne fallen und man das Ganze nicht checkt. Mag man für antiquiert halten. Und die Welt dafür verfluchen. Dann aber bitte theoretisch ausgefeilter. Und rede weniger von Auschwitz, davon wird auch nichts begriffen, schlimmer noch, es wird Geschwätz.
Hier wurde für keine Organisation geworben, sondern eine Notwendigkeit aufgezeigt, die jenseits jeder Romantik liegt, weil sie so banal ist. Deshalb gibt es in allen Demokratien Gewerkschaften, in den USA sogar recht sympathische. Wer als Arbeiter den Wert seiner Ware Arbeitskraft einfordern will, muss sich organisieren. Volksmobs negieren diese Organisation gerade im Placebo der organischen Einheit, und machen sie so obsolet, bloßes Kittwerk. Hat Scheit ebenso wie Adorno recht aufschlussreiches dazu geschrieben.


frank (14.12.07 07:36)
Von Auschwitz kann man gar nicht oft genug reden, weil seitdem nichts mehr wie zuvor ist. Das ist typisch deutsche Vergangenheitsbewältigung, die Shoa aus dem täglichen Denkzusammenhang nehmen und sich für „ganz besondere“ Momente aufsparen.


frank (14.12.07 07:39)
In Anlehnung an einen Satz von irgendwem; Wer vom Antisemitismus nicht reden will, soll von den Verhältnissen schweigen. Es gibt den Arbeiter nicht zweimal, einmal als Antisemit und ein andermal als aufgeklärten, vernünftigen Proletarier. Und wen du nicht verstehst, dass die Löhne fallen nicht trotz, sondern wegen des Äquivalententausches, dann bleibt selbstverständlich nur noch das Gefühl „belogen und betrogen“ zu werden. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auf deinem Blog die erste Namensliste erscheint.


frank (14.12.07 07:52)
Die Notwendigkeit von der Einforderung des Werts der Ware Arbeitskraft existiert freilich. Nur organisieren sich die Menschen heute nicht mehr, sondern sie rotten sich zusammen.


ollie (14.12.07 11:01)
Lieber Nichtidentisches,
bereits bei deiner Butler Rezension warf ich dir vor von Formallogik keine Ahnung zu haben. Diesen Vorwurf muß ich dir leider erneut machen. Judith Butler warfst du einen Zirkelschluß vor, der sodann auch noch typisch für alle ihre AnhängeInnen sein soll. Das Problem ist dabei nur, daß dort überhaupt kein Zirkelschluß zu finden ist. In der Formallogik wendet man/frau Schlußverfahren an, du dagegen wendest dafür offensichtlich das Verfahren der Intuition an.Dabei sch(l)ießt du dann laufend daneben. Dasselbe gilt auch für die beiden Sätze die du hier als Tautologien bezeichnest. Es sind keine Tautologien. Dinge die man /frau nicht versteht, sollte man/frau sich einfach sparen. So jedenfalls kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß es dir nur darum geht möglichst intelektuell zu klingen.
Liebe Grüße
Ollie
P.S. Ich bin kein Anhänger der Formallogik und mir ihrer Schwächen durchaus bewußt, aber wenn man diese Termini benutzt, sollten sie doch wenigstens auch zutreffen.


nichtidentisches / Website (14.12.07 13:14)
Frank, du affirmierst das, indem du es zum Naturgesetz erhebst: Angesichts des Weltlaufs kann man dann in Elegien vom Weltlauf schwelgen und sich die Anstrengung der Kritik ersparen, die sich gerade am Besonderen entzünden würde. Vom Antisemitismus reden und ihn kritisieren sind verschiedene Sachverhalte. Auschwitz fand durch Deutschland statt und da durch ein Bündnis von Kapital, Proletariat und Staat, nicht durch die US-amerikanischen Gewerkschaften oder Lateinamerikas Kleinbauern. Du stellst die Gleichung auf: Arbeiterorganisation = Auschwitz. Und das ist, tut mir leid, verharmlosendes, dummes Geschwätz, positivistisch und funktionalistisch, mit kritischer Theorie nicht einmal dem Äußeren nach verwandt. Dialektik ist dir so fremd wie der Gegenstand selbst. Weshalb du sehr easy alles, was ich schrieb, auf die dir gefällige Formel bringst. Nirgends schrieb ich eine Lobeshymne auf irgendwelche bestehenden Arbeiterorganisationen. Und in allen Kritiken der wahnhaften Tendenzen von Kapitalismuskritik und der autoritären Potentiale der Arbeiterorganisationen folge ich dir. Nur mache ich es mir nicht so bequem, mich dann auf dem Spenglerschen Abgesang auf die Zivilisation niederzulassen und qua Identifikation mit den übermächtigen Verwertungszwängen häuslich einzurichten, Gesellschaft nicht mehr vom Standpunkt ihrer möglichen Aufhebung zu analysieren, sondern sich in ihr einzunisten auf Teufel komm raus, und sei es nur als Antagonismus.


nichtidentisches / Website (14.12.07 13:19)
@ollie

Dann klär du doch mit deinen Begriffen einmal einen Sachverhalt. Tautologie als Begriff wird hier nicht in einer Formallogischen Debatte verwendet, sondern bezeichnet eine stilistische Form der Begründung, das Verhältnis, in dem der Job ohne Vorannahme zum Selbstzweck wird, sich selbst Grund ist. Das ist eine Entlehnung der Literaturwissenschaft, eine Häufung und Leerformel, die allein den Zweck hat, hohlen Sinn durch Häufung zu überdecken.


frank (14.12.07 16:16)
Nirgends eine Lobeshymne auf irgendeine bestehende Arbeitsorganisation? Wie war das noch gleich mit „Solidarität mit der GDL“?
Aber auch egal.


frank (14.12.07 16:18)
Ich sage nicht dass Arbeiterorganisation per se Antisemitisch ist. Was ich sage und dazu stehe ich, ist, dass die Massen heute in überwältigender Mehrheit unfähig sind, eine Kritik am Kapitalismus zu entwickeln die nicht wenigstens latent antisemitisch ist. Mehr schreibe ich dazu nicht. Ich habe es nicht nötig mich von einem anonymen Blogwart beschimpfen zu lassen.
Zum Schluss nun noch ein Bekenntnis um jeden Zweifel zu zerstreuen: Mein politischer Grundsatz lautet, dass in diesen Zeiten revolutionäres Tun nur darin bestehen kann die Massen von jedweder Aktivität abzuhalten.


nichtidentisches / Website (16.12.07 20:09)
Ganz fein. Genau das konstatiert die kritische Theorie als Grundvoraussetzung des Faschismus: Die organisationslose Fragmentierung der Gesellschaft, die dann in die Regression treibt und Surrogate der Organisation über Chimären wie Volk, Nation, Rasse herzustellen glaubt, in der die Identifikation mit der Austauschbarkeit des Individuums perfektioniert wird.


nichtidentisches / Website (16.12.07 20:10)
Wenn du eine konkrete Kritik an der GDL hast, dann bring sie doch an Ort und Stelle vor.


ollie (3.1.08 19:19)
Lieber Nichtidentisches,
zunächst wäre zu sagen das auch die Literaturwissenschaft den Terminus der Tautologie aus der Logik entnimmt. Tautologie leitet sich aus dem griechischen von „tauto legein“ ab, was soviel bedeutet wie „dasselbe sagen“. Wir haben es hier also mit einer Definition zu tun, in der das Definiens bereits durch das Definiendum ausgedrückt ist. Jede Tautologie ist durch die formale Logik zu erfassen, ansonsten ist es eben keine Tautologie. In "ihr Job ist es", ist einen „Job finden“ allerdings weder explizit noch implizit enthalten. Ich gebe dir ja recht, daß diese Aussage sehr fragwürdig ist. Eine Tautologie ist es jedoch nicht. Ebensowenig wie dein Wagner Zitat. Oder würdest du den Satz, Bildung ist Zweck an sich selbst (frei zitiert aus „Eingriffe“ T.W. Adorno), auch als Tautologie bezeichnen? Völlige Beliebigkeit im Gebrauch von Worten kann doch wohl nicht dein Ziel sein. Allerdings kannst du dich gerne als Heideggerianer betätigen, der hat auch schon erklärt warum a=a keine Tautologie ist. Ansonsten bin ich ein wenig erstaunt, daß du die haltlosen Beschimpfungen an meine Adresse wieder gelöscht hast. Dafür herzlichen Dank. Liebe Grüße Ollie


nichtidentisches / Website (3.1.08 20:19)
Ja, manchmal geht die Unhöflichkeit mit meinem Geist spazieren und kommt einfach ohne wieder zurück, das unzuverlässige Miststück.

Was du sagst ist mir ersichtlich und sogar der Wikipedia-Artikel darüber ist noch aufschlussreich. Allerdings nehme ich mir an dieser Stelle als Literat das Recht heraus, einen Begriff nach meinem Willen zu besetzen und schwupps: Es ist doch eine Tautologie, allerdings wie ich bereits sagte, zunächst im literaturwissenschaftlichen Sinne der Häufung einer Wortbedeutung um des rhetorischen Effekts der Verstärkung und Wahrheitsbehauptung willen. Sodann meine ich auch nach strenger Prüfung der Logik eine Tautologie zu entdecken, wenn man von den Tüfteleien der Logiker absieht und sie zum Zirkelschluss verallgemeinert - nämlich, dass hier jenseits der logischen Folge etwas formuliert, was in sich selbst bereits wahr sein will, was Zweifel verbannen soll.
Dazu kommt hier das Problem der Zeit: Wenn ich annehme, dass es bereits "ihr Job ist" einen "Job zu finden", dann habe ich in der Tat eher ein Adynaton als eine Tautologie im strengsten Sinne, den du hier als allgemein möglichen vorraussetzt - denn dann hat er den Job ja bereits gefunden, den er hat. Wobei das Problem bleibt, ob eine Tautologie als selbstsetzende logische Wahrheit überhaupt möglich ist, oder nicht vielmehr den Spott über sich selbst schon in sich trägt. Ich meine, das Urteil der Tautologie über Wagner bereits Adorno oder Scheit entnommen zu haben und komme bei Gelegenheit darauf zurück.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung