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Allzutägliches über Paranoia, Zwang und Unwiederbringliches

"Ev'rytime my mother kills a rabbit i feel like the rabbit."
(Roberto Benigni, 'Down by Law')
 
Protoplasma
 
Empathie gebiert sich oft aus Zwang: Das Einfühlen ins Andere trägt das Siegel der Anpassung aus Not heraus. Das Zurückgeben der Emotion an die Säuglinge und Kleinkinder durchs Grimassieren ist nicht ihr Garant: nur bloßes Spiegeln deren eigener Gefühlslage, das den Spott nicht verbergen kann - zu rasch wird das Veräffen entlarvt.
Unterm Diktat des Elternhauses sensibilisiert sich das Kind im Vorausahnen der elterlichen Gewalt. Es lernt die einmal verinnerlichten Wut und Strafe zu antizipieren, fühlt sich ins Feindliche ein, um gefällig zu werden und Konflikte zu vermeiden. Härtester Zwang zerbricht diese Fähigkeit: Wo das Kind lernt, dass es kein Rationales, keine verbindliche Ursache in seinem Verhalten für die Strafe gibt, wird Emapthie wertlos und die kalte Empathielosigkeit des Psychopathen macht sich breit. Paranoia ist die Vorstufe des Umschlags: Der sich der Telepathie bereits mächtig Wähnende schöpft aus seiner Angst die Fähigkeit der Empathie, die Einfühlung ins ihn feindlich umgebende Übermächtige ermöglicht ihm die permanente Selbstverfolgung, wo Vertrauen abgetötet wurde. Wehe, wenn ein Objekt sich nähert, das dem sich Verfolgenden zur Abfuhr dienen könnte.
 
Reprise
 
Was Adorno als Vergangenes meint, ist es immer schon gewesen. Das Festhalten und Idealisieren der bürgerlichen Epoche als versäumte Möglichkeit der Revolution wie des unverfälschten ideologieschwangeren Individuums, als Hort der Kunst und der Fensterläden, des leisen Türenzumachens wie der Pantoffeln, des in Betten schlafens wie der Mutterliebe, ist die gute alte Zeit des Individuums in Kindheit und Wohlbehagen. Es sei nach Adorno nicht zu unterschätzen, was es in Individuen auslöse, dass es keine Fensterläden "mehr" gebe. Die Überschätzung des Materiellen löst Besonderes im Allgemeinen auf. So kümmert es mich wenig, was ein Individuum für Fenster hat, wenn doch von entscheidender Bedeutung ist, ob der dahinter dem Nazismus fröhnt oder dessen prospektives Opfer ist. So groß kann die Wirkung kleiner Dinge dann nicht sein, wenn sie am falschen Ganzen keinen Einfluss zeigen. Die Trauer übers Materielle gründet in Melancholie über verlorene Kindheit, die am Fensterladen gern sich ein Symbol erschuf.
 
Libertinage
 
Das Dafürhalten des Intellektuellen ersetzt nicht das Dagegenhalten. Um so mehr ist Adorno zuzustimmen, wo er aufs leise Merkmal des bürgerlichen Gehens dringt: Man braucht tatsächlich nur die auf der Straße rennenden Individuen sich anzusehen, die den Bus zum Orte der Entäußerung ihrer Zeit durch Arbeit nicht verpassen wollen. Masochistisch nehmen sie das Hecheln der Strafe vorlieb, die ihnen als Paranoia droht, wenn sie müßig auf dem Bahnsteig stehen sollen. Und auch Freud hat recht: Die These von der Musik als Medium des Paranoikers bestätigt der Ungeist, mit Kopfhörern sich gegen die Umwelt und am Ende selber taub zu machen. Wo der Presslufthammer des Systemzwangs auf die Seele donnert, braucht man starke Ohrenschützer. Rund um die Uhr besäuselt Musik, die vormals in gewissen Stunden Peinlichkeit erträglich machen und die Distanz zum Akt verringern sollte. Wo Adorno prophetisch die Raserei im Auto als Abfuhr des permanent Verfolgten aufzeigt, spriesen heute Formel-1 und Geschwindigkeitsrausch - exaltierte Angstlust-Mutation des kindlichen Fangespiels. Der Film empfindet das vor und nach. Kein Nervenkitzel ohne Verfolgungsjagd. Die Bücherkataloge sind voller denn je von düsteren Geheimlogen, bösen Mächten, Morden und Komplotten. Diesem Prinzip wird jede Qualität geopfert: Bachs Fugen ließen noch in der Verfolgung Raffinesse erkennen. Schundliteratur an Bahnhofsläden vergräbt dagegen jede Hoffnung wenigstens auf Langeweile, schlimmer schürt sie als Symptom die Angst bei jenen, denen als real Verfolgte der üble Witz vom Paranoiden, der heute wisse, dass er verfolgt werde, Gewalt antut.
 
Ad aspera
 
Zu misstrauen ist dem Statement, dass angesichts des Schlechteren das Eigne plötzlich besser schiene. Zu rasch schafft sich der Leidende dann Abfuhr in der Destruktion und im Ergötzen am Schlimmeren. Daher droht, wo Elend herrscht, oft noch das Schlimmste von den Elenden. Masochismus ist die introvertierte Form dessen: Solange eigenes Leiden durch den tiefen Schmerz verborgen werden kann, bereitet dann selbst dieser Lust.

15.11.07 18:39
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


malte (17.11.07 15:39)
Lieber F.

Wohntest Du in meiner WG, dann wüßtest Du, daß die Unfähigkeit, eine Tür leise zu schließen, kein ganz so kleines Problem ist. Aber im Ernst: Adorno idealisiert doch nicht die bürgerliche Epoche:
„Allergie gegen das falsche Glück der Geborgenheit bemächtigt eifernd sich auch des Traumes vom wahren, und die gesteigerte Empfindlichkeit gegen Sentimentalität zieht sich auf den abstrakten Punkt des bloßen Jetzt zusammen, vor dem das Einst so viel gilt, als wäre es nie gewesen. Erfahrung wäre die Einheit von Tradition und offener Sehnsucht nach dem Fremden.“ (Zum Gedächtnis Eichendorffs)
An bestimmten Momenten einer „Epoche“, oder sogar von Tradition, festhalten zu wollen, ist nicht gleich Idealisierung. Es wundert mich, daß gerade Du als überzeugter „Nichtidentischer“ dies annimmst. Und der Blick auf kleine Dinge ist doch eine methodische Sache (die freilich eine Entsprechung hat in der Ablehnung des Totalitären, das Kleines, Unwichtiges verachtet)- ich denke, diese Idee, aus kleinen Details heraus wesentliche Erkenntnisse über größere Zusammenhänge zu gewinnen, kommt aus der Kunstwissenschaft und ging dort einher mit der Ablösung der Tendenz, abstrakt hergeleitete Regeln an ein Werk heranzutragen. Stattdessen wurden Prinzipien aus dem Gegenstand selbst abgeleitet, und eben wesentlich aus Details, die ja gerade das Individuelle ausmachen. Und das ist zwar auch Einfühlung, aber nicht ins Übermächtige. Wenn Adorno Details so behandelt, als würden sie etwas Individuelles markieren, dann wird dadurch doch nur umso deutlicher, dass sie dies eben nicht mehr tun sondern ganz egal sind. Es geht doch nicht um Fensterläden, sondern um die Unfähigkeit, mit solchen Dingen z.B. Erinnerungen zu verknüpfen, die eben nicht materiell sind. Diese Unfähigkeit kann man an der Veränderung der Dingwelt ablesen.

Grüße,
Malte


nichtidentisches / Website (18.11.07 15:24)
Hi Malte, danke für die Antwort. Meine Antwort ist dialektisch: Ja und nein.
Wenn ich Adornos Methode ernst nehme, nämlich die, die Thesen den Argumenten anzugleichen und auf die Spitze zu treiben, nicht abzuwägen der Mitte oder Objektivität wegen, sondern die expressive, erfahrungsschwangere Ausgestaltung der Extreme (vgl. Minima Moralia Kap 51, S. 150 "Die Echternacher Springprozession ist nicht der Gang des Weltgeistes..."), dann muss ich trotz Adornos Reflexion an anderen Orten ihm eine gewisse Idealisierung als zeitliche unterstellen, die über das private hinausreicht, obwohl sie daraus gründet. Ich könnte das an anderer Stelle ausführlicher ausführen, es sei hier angemerkt, dass bei der Lektüre Adornos das häufige Wörtchen "mehr" (in "nicht mehr") etwas misstrauisch zu beäugen eine gewisse Distanz ermöglicht von der aus Verstehen sich erst herstellt.
Mit dem Detail gehe ich völlig d'accord, es sei jedoch auch mit Adorno festgestellt, dass wenn sich die kleinen Attribute von ihrer Bedeutung ablösen und bloßes Ornament werden, ihre Aussage verschwindet, die sie einmal über eine Gesellschaft ermöglichte, die just jenes erst hervorbrachte. Gerade über die Objektivität, die es einst hervorbrachte, sagt es unter der Einwirkung der Objektivität nichts mehr aus. Ob eine Kultur nun Fensterläden, Jalousien oder Vorhänge baut, sagt wenig über die dahinter versammelten Besonderheiten, die kaum noch welche sind, aus, geschweige denn über das Verwertungsprinzip, dem sie alle sich gleichmachten und das sie gleichmacht.
In diesem Sinne: "Das Jüngstvergangene stellt allemal sich dar, als wäre es durch Katastrophen zerstört worden." (Minima Moralia, Kaput 29 "Zweigobst")
Adorno ist nicht orthodox zu lesen und schon gar ist dem Zitat zu misstrauen: Zu häufig lässt er der steilen These die Antithese auf dem Fuße folgen, die das Zitat verschweigt.
Beste Grüße
Felix


spiegelzimmer / Website (26.12.07 10:30)
was Malte sagte, stellt Adorno übrigens nochmal in der Negativen Dialektik heraus, im Abscghnitt Metaphysik, wo er über die Möglichkeit von Metaphysik heute "meditiert".
siehe Proust

Im übrigen ist gerade die Trauer um die verlorene, wie auch immer idealisierte Kindheit im Einzelnen, ein sehr heißer Schlüssel qua Antrieb zur dialektischen Kritik.
Denn was da verloren ging ist nicht da Glück selber- denn welche Kindheit noch so glücklich war, sie hatte immer ein Moment von Bevormundung, dessen Ende man in die Erwachsenen hinein projezierte, wo die Bevormundung jedoch auf die Spitze getrieben wird durch das Ende des eben kindlichen "Nichtidentischen"-
es ist das Glücksversprechen, und da beißen sich wieder individuelle Geschichte und materialistische Theorie.
denke ich zumindest

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