Der denunziatorische Charakter, den Kinder noch als "Petze" zu benennen wissen, beherrscht auch jene Sphären, die manche als virtuell bezeichnen, deren Rückwirkung in die Realität allerdings einem Erdbeben gleich kommt. Infantil erprobt hier Autoritäres sich in Spielereien, die denen von Kindern nicht nur der Form nach gleich sehen. Analer Sadismus versucht im Stande der scheinbaren Freiheit - der Überwachung durch elterliche Fürsorge entkommen, der des sozialen Umfelds durch Anonymität entraten - seinen Platz an der Sonne sich zu erhalten.
Was jene nur spielen, vollziehen andere, und das Spiel, die Parodie vermag die Spieler über die Ernsthaftigkeit der Welt abseits ihres jeu de paume zu täuschen - wo es vermeint, das Wesen durch Exaltierung zu verraten, bemerkt es nicht, dass seine Travestie noch Teil desselben ist: Selbstreferentialität als zirkuläre Redundanz komödiantischer Bearbeitung der autopoietisch fortschreitenden Deprivation. Nicht jedoch entbehrt ihnen ein Bewusstsein darüber, nur aus diesem heraus schöpft sich der fanatische Überschlag, den das Spiel entfaltet, wenn es dem Ernst gerade dadurch nahekommt. Der Karneval, ekelerregendste konformistische Rebellion deutscher Niemalsrevolutionäre, trägt solche ihrer selbst nicht bewusste, gerade weil auf ihren Wert als bewusste pochende Infantilität weitaus wirkungsvoller in die Öffentlichkeit, als jene kläglichen Versuche, mit der Realität in der Maske der Satire zu spielen und so den unbequemen Verhältnissen ein weiteres Male den bequemsten Weg zu weisen: Die Setzung der Verhältnisse als instrumentelle, das Auflösen von Betroffenheit in Belustigung, die Ereignisse nur noch einzusortieren vermag in der propagandistischen Verwertbarkeit entsprechende Kategorien.
Zu raten wäre jenseits der Verweigerung im Bewusstsein ihrer Unmöglichkeit, an derartigen Kampagnen keinen Blick zu verschwenden und getrost das anvisierte Opfer in die Solidarität - Adynaton des Verwertungsprinzips - einzuschließen, wenngleich scheinhaft, so doch als negative möglich, als Verweigerung der Denunziation.
lysis
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(20.2.07 15:21)
"jeu de paume" -- haha, den kannt ich noch nicht! :D
HundMitLeine
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(20.2.07 15:51)
Ich bezeuge, dass der obige Text tatsächlich von Identisches (nicht) verfasst wurde und nicht etwa von einem GAWKER-Uboot.
(20.2.07 16:02)
solcher schwachsinn kann nur von sloganizer.de kommen...
Telegehirn
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(20.2.07 18:18)
GAWKER kann und sollte nicht so ernst nehmen und es ist ja auch Karneval, obwohl ich den hasse.
Daher ist die Reaktion hier richtig. Vorurteile müssen bestätigt werden.
Dissensprinzip
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(20.2.07 21:08)
was soll denn der blödfug, gibt es da eine vorgeschichte, die ich gerade nicht nachvollziehen kann?
PS das freischaltungs-bild für den beitrag zeigt die buchstabenkombination N-A-Z-i-f ! wenn das nicht mal gruselig ist.
nichtidentisches
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(20.2.07 22:16)
Was für ein Freischaltungsbild bitte ? ? ? Zum Hintergrund: Einfach lesen und Links anklicken, so einfach geht das im Netz,,,
nichtidentisches
/ Website
(20.2.07 22:19)
Achso, das unten für die Kommentarfunktion? Da habe ich keinen Einfluss drauf, manchmal sind es Wörter, manchmal zufällige Kombinationen. Ich kenne übrigens eine Frau, die Nazife heißt. Nun, ich denke mal myblog.de ist halbwegs ideologiefrei, so dass man wohl von einem Zufall ausgehen kann, oder?
Vorgeschichte immer noch: Gawkerlink klicken...
cola
(22.2.07 00:02)
kannst du dein jämmerliches leben nicht in im privaten ohne selbstszenierung im internet zelbrieren.wer seinen blog so wichtig nimmt das einer parodie dieses narzismuses, ein pamphlet, éntgegengehalten wird welches an inhaltsleere und sprachlicher wirrheit kaum durch die bahamas übertroffen werden kann, der sollte darüber nachdenken seine sozialen dekompensation doch mal durch sport, soduko oder den nitendo wii auszugleichen
nichtidentisches
/ Website
(22.2.07 01:06)
Hallo Cola. Und sonst? Wie gehts so? Was macht dein Privatleben? So Wut im Bauch und so? Weil andere inhaltsleeres Zeug schreiben? Was du nicht verstehst? Is schon schlimm. Mein Beileid. Das ist mal ECHT ein Problem so. Teils allen mit!
Warum das alles anonym sein muss:
Weil ich a nicht wie Salman Rushdi, Hatun Sürücü, Theo van Gogh enden will, und weil ich b genauso wenig Lust habe, dass sonst irgendwelche Antisemiten vor meiner Haustüre stehen und mir die Fresse polieren wollen. Des weiteren unterliege ich gewissen ökonomischen Zwängen, solange ich Kritik an Personen schreibe, die potentiell meine Arbeitgeber werden könnten...
Tony Montana
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(25.2.07 14:36)
Dein Text ist richtig, aber der Kontext passt einfach nicht. Komm schon, du hasst doch auch schon über gawker gelacht. Die Quelle dessen: Ein Anal-sadistischer Charakter oder ganz einfach Humor. Die Grenzen sind so oft verschwommen, dass die Kritik nur trifft, wenn sie auch verschwommen ist. Wo blieb in diesem Text dein sonst so geschätzter Witz?
Wenn du das dialektisch denkst, fällt dir auf, dass das Denunziationstabu auch gerne mal von Antisemiten zum allgemein verpönten Totschlagargument aufgeblasen wird. Die Petze hat manchmal schlichtweg Recht. Immer im Recht ist die überdies gegenüber dem falschen Deckeln realer Aggressionen im harmonischen Kollektiv versus die verhassten Nestbeschmutzer und Spiegelvorhalter.
Dissensprinzip
/ Website
(1.3.07 13:31)
"Achso, das unten für die Kommentarfunktion? Da habe ich keinen Einfluss drauf, manchmal sind es Wörter, manchmal zufällige Kombinationen. Ich kenne übrigens eine Frau, die Nazife heißt. Nun, ich denke mal myblog.de ist halbwegs ideologiefrei, so dass man wohl von einem Zufall ausgehen kann, oder?"
nein, nein, als ich schrieb, wie gruselig ich das fand, meinte ich das bitterernst ;-)
"Vorgeschichte immer noch: Gawkerlink klicken..."
das hatte ich bereits getan, aber wirklich durchgestiegen durch den zusammenhang bin ich leider nicht.